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Fern liegt mir die Absicht, über das wichtige Thema der Kriegsneurosen nach verhältnismäßig so kurzem Studium Abschließendes zu sagen. Ich leite die Nervenkrankenabteilung dieses Spitals erst seit zwei Monaten und hatte etwa zweihundert Fälle unter meiner Beobachtung. Diese Zahl ist zu hoch, die Beobachtungszeit zu kurz gewesen; hat uns doch die Psychoanalyse gelehrt, daß in der Neurosenlehre nicht von der statistischen Bearbeitung vieler, sondern vor der vertieften Erforschung einzelner Fälle Fortschritte zu erwarten sind. Diese Mitteilungen wollen also als vorläufige gelten und nur die Eindrücke wiedergeben, die ein Psychoanalytiker bei der Massenbeobachtung von Kriegsneurosen empfangt.
Der erste Eindruck, den der mit Kriegsneurotikern gefüllte Krankensaal auf mich machte, war ein verwirrender, und wenn Sie einen Blick auf die vor Ihnen stehende, sitzende und liegende Krankengruppe werfen, werden wohl auch Sie diesen Eindruck teilen müssen. Sie sehen hier etwa fünfzig Kranke vor sich, die fast alle den Eindruck von Schwerkranken, wenn nicht von Krüppeln machen. Viele sind außer stande, den Ort zu wechseln, bei den meisten ruft der Versuch des Ortswechsels ein so heftiges Zittern der Kniee und der Füße hervor, daß meine Stimme das Geräusch, das die beschuhten zitternden Füße verursachen, nicht übertönen kann.
Bei den meisten zittern, wie gesagt, nur die Füße, doch gibt es einzelne, bei denen — wie Sie sehen — jede Intention der ganzen Körpermuskulatur von Zittern begleitet ist. Am auffälligsten ist der Gang der Zitterer; er macht den Eindruck der spastischen Parese; aber die wechselnde Mischung von Zittern, Starre und Schwäche bringt ganz eigenartige, vielleicht nur kinematographisch-reproduzierbare Gangarten zu stande. Die Mehrzahl der Patienten gibt an, daß sie nach einer in ihrer Nähe erfolgten Granatexplosion erkrankten, eine ziemlich große Minderzahl beschuldigt heftige und plötzliche Erkältung (Sturz in eiskaltes Wasser, Durchnäßtwerden im Freien) als Krankheit