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Nicht die von mehr oder weniger weltfremden Philosophen formulierten Vorschriften oder Ansichten machen die Sexualethik einer Zeit aus, sondern
den Maßstab geben die großen Zahlen der Statistik, die staatlichen Gesetze humpeln nach. So wird die jetzt einsetzende Bevölkerungspolitik den Schutz der unehelichen Mutter und ihres Kindes wahrscheinlich fördern. Weitere Forderungen der hauptsächlich aus Frauenvereinen betriebenen Sexualethik-Reform: Anerkennung des Konkubinates, leichtere Auflösbarkeit der Ehe, Abschaffung der Prostitution — haben trotz ihrer Begründungen eine schlechtere Prognose. — Eulenburg untersucht mit deutscher Gründlichkeit die Stellungnahme der Philosophen und Ethiker von Kant über Schopenhauer und Nietzsche bis zu Scheler zu den genannten Problemen. Von den Erfahrungen der Psychoanalyse, die ein Gutteil der Neurosen und anderen menschlichen Unglücks auf die bisherige Sexualmoral zurückführen konnte, hat der Autor leider wenig Kenntnis genommen. Und doch sind die von der Psychoanalyse gegebenen Aufklärungen über den Infantilismus als Richtunggeber der Sexualität, über die Folgen mangelnder Aufklärung, über die Bedeutung der Bisexualität, der Unfähigkeit zu und in der Ehe, der sexuellen Versagung etc. bedeutsam genug. Mögen die Medizinprofessoren in dieser Frage nicht hinter den Philosophieprofessoren vergessen werden!
Dr. E. Hitschmann.