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Im 7. Hefte der „Schriften zur angewandten Seelenkunde“ unterzieht Prof. Freud eine „Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci“ einer ein-gehenden Analyse, deren Resultat die Feststellung ergibt, daß diese „Kindheitserinnerung“ eigentlich aus einer Phantasie des schon längst erwachsenen Künstlers entstanden ist, welche Leonardo als ein tatsächliches Erlebnis in seine Kindheit zurückprojiziert hat.
Prof. Freud hebt besonders hervor, daß Leonardo „ein Beispiel von kühler Sexualablehnung war, die man beim Künstler und Darsteller der Frauenschönheit nicht erwarten würde“. Solmi zitiert folgenden Ausspruch Leonardos: „Der Zeugungsakt und alles, was damit in Verbindung steht, ist so abscheulich, daß die Menschen bald aussterben würden, wäre es nicht eine althergebrachte Sitte und gäbe es nicht noch hübsche Gesichter und sinnliche Veranlagungen.“ Nach Prof. Freuds Ansicht ist es „zweifelhaft, ob Leonardo jemals ein Weib in Liebe umarmt hat“, das Sexualleben Leonardos habe sich vermutlich auf eine „ideelle Homosexualität“ eingeschränkt. „Es ist bekannt,“ führt Prof. Freud des weiteren aus, „wie häufig große Künstler sich darin gefallen, ihre Phantasie in erotischen und selbst derb obszönen Darstellungen auszutoben; von Leonardo besitzen wir zum Gegensatze nur einige anatomische Zeichnungen über die inneren Genitalien des Weibes, die Lage der Frucht im Mutterleibe, u. dgl.“
Eine Bestätigung der vorhergehenden Ausführungen findet sich in dem von Eduard Fuchs herausgegebenen Sammelwerke „Sittengeschichte“, und zwar in dem Ergänzungsbande zur „Renaissancezeit“ auf Seite 21. Da ist eine Zeichnung Leonardos reproduziert, welche den Geschlechtsakt in einem anatomischen Sagittaldurchschnitte darstellt. Ebenso wie die von Prof. Freud erwähnten Zeichnungen ist auch diese keineswegs obszön.
Aber sie ist unseres Interesses hauptsächlich deshalb würdig, weil sie eine Unzahl von Fehlleistungen aufweist, die wir nur mit Hilfe von Prof. Freuds Arbeiten über die „Psychopathologie des Alltagsle