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Wir wissen, welche Mühe es oft kostet, den Traum eines in psychoanalytischer Kur befindlichen Patienten zu deuten. Dieser ist gleichsam „gewarnt“ und hütet sich, Träume zu produzieren, die leicht zu übersetzen sind, und die er am Ende auch selber deuten könnte. Nicht so jene große Schar von Menschen, die von Psychoanalyse keine Ahnung haben. Diese erzählen einander — beim gedeckten Tisch oder sonst im Geplauder — ihre sozusagen primordialen, von analytischer Kultur nicht beleckten Träume, und ahnen nicht, daß sie dabei dem sachverständigen Zuhörer ihre intimsten und geheimsten, oft vor sich selbst verheimlichten Wünsche verraten. Ich brachte einmal mehrere Wochen in einem Kurorte zu und konnte während der Mahlzeiten eine kleine Serie solcher leicht deutbarer Träume sammeln.
„Denken Sie, was mir heute geträumt hat“, sagte eine Dame, die mit ihrer Tochter in der Pension weilte, zu ihrer Nachbarin: „Man hat mir heute nacht die Tochter geraubt; — beim Spaziergang im Wald kamen uns Männer entgegen und schleppten mir die Tochter mit Gewalt weg. Es war fürchterlich!“ — Ich teilte dieses Urteil über den Traum nicht und dachte mir, die Dame möchte ihre mehr als mannbare Tochter schon los werden. — Die Bestätigung ließ nicht lange auf sich warten. Schon Tags darauf beklagte sich die Dame darüber, wie viel lustiger die vorausgegangene Saison gewesen wäre, da seien eine ganze Menge junger Leute dagewesen, jetzt habe ihre Tochter gar