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Konnte bei Besprechung einer früheren Arbeit1) Placzeks der Freimut gerühmt werden, mit dem der Autor, ohne die psychoanalytischen Lehren in ihrem vollen Umfange anzuerkennen, d. h. zu verstehen, jedes geringschätzige Urteil über die Freudsche Schule zurückweist, so mutet das plötzliche Einstimmen in die gehässige Tonart der Gegner der Psychoanalyse natürlich besonders überraschend und peinlich an. Ja, man fragt sich, ob man eine Arbeit ernst nehmen solle, in welcher der Verfasser sich nachstehende Plattheiten erlaubt:
Anknüpfend an Goethes Verse
„Selig, wer sich vor der Weltohne Haß verschließt,einen Freund am Busen hältund mit dem genießt“
witzelt Placzek: „Welche Fundgrube für einen Sexualforscher in den wenigen Versen, in deren Inhalt und Wort! ‚Einen Freund am Busen hält.‘ Schon das Wort ‚Busen‘. Was verrät das alles! Und nun gar welch tiefgründige Perspektive, ob man den Freund am eigenen Busen hält, oder gar den Busen des Freundes berührt, also taktile Wollustempfindungen weckt! Endlich mit ihm in der Einsamkeit genießen! Gewiß der Gipfel sexueller Betätigung.“
Und nun zieht er mit schulmeisterlicher Entrüstung gegen die zu Felde, welche „die Schöpfungen des höchsten Genius in vorgefaßter Ideenrichtung durchsuchen und selbst einen homosexuell so unverdächtigen Poeten, wie Goethe, nicht unbehelligt lassen.“ Wäre Pl. Literaturhistoriker und nicht Arzt, so könnte dies allenfalls die Empörung rechtfertigen, mit der er gegen die psychoanalytische Zergliederungstechnik und ihrer „neuartigen, wunderwirkenden Deutungskunst, die ihrer Unfehlbarkeit sich rühmt“, im Namen der Dichter und der zunftmäßig berufenen Kritiker Einsprache erhebt und ins Horn des „feinsinnigen“ Heinrich Lilienfein stößt, der „dieser Richtung und ihrer Deutungskunst eine scharfe Abfuhr zufügt und mahnend ruft: ‚Hände weg‘ von dieser sexuellen Inquisition der Dichter“.
Und weiters sieht Pl. darin eine Ehrenpflicht, unter gewissenhafter Zitierung der von homosexueller Erotik triefenden Briefe, Briefche