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M. H.! Die große Entdeckung Freuds, die im Grunde den wesentlichen Inhalt der Psychoanalyse vorstellt, lautet: Der Mensch stammt aus seiner Kindheit. Ich bitte Sie, diesen Gemeinplatz als blutige Neuheit der Psychologie anzunehmen. Denn so faßt ihn der allergrößte Teil der lesenden Menschen auf, die Gelehrten mitinbegriffen. Man kann diesem Teil der Menschheit nichts Neueres und Befremdenderes sagen, als daß ihre würdigen Persönlichkeiten aus Resten ihres Kinderlebens bestünden, die teils unverändert, teils nach bestimmten Gesetzen verändert, zu ihrem gegenwärtigen, anscheinend erwachsenen Bild, zusammengetreten sind. Der Erwachsene liebt es, das Kind als etwas anderes anzusehen, als wofür er sich selbst hält. Er hält das Kind nicht für kindlich, sondern für kindisch, das heißt, er nimmt die Affekt- und Triebäußerungen des Kindes gewöhnlich nicht ernst, er nimmt sie für etwas Provisorisches, für etwas, was mit Sicherheit dem Schicksal des „Erwachsenseins“ entgegengeht und gegenwärtig nur die Aufgabe stellt abzuwarten, bis es vorüber ist. Die Psychoanalyse aber hat nachgewiesen, daß es nicht „vorüber“ geht, sondern „eingeht“ in das Bild der erwachsenen Persönlichkeit, die ganz und gar als Resultat der Triebschicksale des Kindes aufzufassen ist. Das Kind liebt und haßt wie der Erwachsene, zumeist auch noch mit viel größerem Ernst und stärkerer Kraft als der Erwachsene, vor allem aber als der Erwachsene unserer abgeflachten Lebenskultur. Diese Abflachung, sofern sie Konvention, Verschwommenheit und Kleinlichkeit des Gefühlslebens bedeutet, ist indessen ein unerwünschter, wenn auch bei der Beschaffenheit des menschlichen Materials unvermeidlicher Erfolg sehr wichtiger Prinzipien der Sozialisierung und Orientierungsreifung des Menschen in der Außenwelt. Eben der große Ernst und die große Intensität des kindlichen Seelenlebens sind die Objekte, an denen sich diese Prinzipien betätigen, um aus Kindern Erwachsene zu machen. Und es liegt nicht an den Prinzipien, sondern an d