You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, bei einem 28jährigen Ingenieur eine wenn auch nur kurze Analyse zu machen. Aus meinen stenographischen Aufzeichnungen will ich einiges hervorheben, das mir manch neues Streiflicht zu werfen scheint auf die Erscheinungen der Mondsucht, der Urethralerotik, der Tagespollutionen und das Problem des Selbstmordes.
Vorauszuschicken wäre, daß diese Aufzeichnungen — ich führe stets möglichst die Worte des Kranken selber an — nicht etwa einer einzigen Stunde entstammen, sondern einer ganzen Reihe von solchen, die sich über mehrere Wochen erstrecken. Zu seinen Erkenntnissen war Patient erst nach längerer Anfangsarbeit gelangt, die ihn seine wichtigsten Komplexe kennen gelehrt hatte. Und endlich habe ich zu leichterem Verständnis dem Sinne nach Zusammengehöriges auch dann zusammengestellt, wenn es zu verschiedenen Zeiten gewonnen.
Aus dem Leben des Kranken ist zu erwäehnen, daß er dem strengen Vater stets schroff gegenüberstand. Hingegen hing er mit leidenschaftlicher Liebe an seiner Mutter, die er im Unbewußten auch allezeit geschlechtlich begehrte, wie die Psychoanalyse ergab. Mit den Eltern schlief er recht lange im nämlichen Raume zusammen, was ihm Gelegenheit gab, schon in frühester Kindheit deren Beilager wiederholt zu belauschen.
„Meine Eltern erzählten mir,“ begann der Kranke, „zwischen sechs und zehn Jahren sei ich öfters in der Nacht aufgestanden, immer zwischen zehn und elf Uhr, im Zimmer herumgelaufen und habe irgend etwas gesucht. Das ist übrigens die nämliche Stunde, zu welcher in früheren Jahren die Eltern zu verkehren pflegten.“ — „Was oder wen suchten Sie eigentlich?“ — „Ich weiß nicht, ob Mutter oder Vater. Vielleicht wollte ich dasselbe tun wie der Vater und mochten die Eltern mir nicht sagen, daß ich zur Mutter wollte.“ Nach einigem Nachsinnen: „Ganz gewiß habe ich die Mutter gesucht. Sie schlief im linken Bett beim Fenster und, wie mir erinnerlich, lief ich immer gegen das Fenster zu. Auch habe ich ganz bestimmt ‚Mutter!‘ geru