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Der „Vaterrespekt“ läßt schwer ein unbefangenes Urteil aufkommen, wenn der Autor in der Vorrede seines Werkes darauf hinweist, daß er sein Material einer mehr als fünf Dezennien umfassenden Forschungsarbeit verdanke. Gut, wenn eine solche Arbeit auch Vorzüge hat. So imponiert an der vorliegenden die große Belesenheit des Verfassers in der modernen und der älteren Literatur belletristischer, philosophischer und soziologischer Richtung, wodurch er die uns wohlbekannten, von vielen vertretenen Ansichten über die eheliche Treue der Frau durch fast überreiche Belage zu stützen vermag. Auch sucht Kisch nicht in gehässiger Einseitigkeit die Schuld der sexuellen Untreue der Frau bei ihr allein, sondern mißt einen großen Teil des Verschuldens dem Manne zu. Aber er geht nicht den tiefsten Quellen des tragischen Konfliktes nach, der die Frau zur Entgleisung und durch diese in neue Konflikte treibt, er weiß nichts von der Fixierung des Weibes an Vater und Bruder der frühesten Kindheit, der Identifikation mit der Mutter, einer Schwester oder anderen geliebten weiblichen Personen der ersten Kinderjahre. Er begnügt sich, die Ursachen der Untreue der Frau zu scheiden in solche, die dem Manne zur Last fallen, wie ein vorbildlich wirkendes ausschweifendes Leben, die Einweihung der jungen Gattin in die Mysterien der ars amandi, lüsterne Berichte über die Abenteuer seines Junggesellenlebens, männliche Eitelkeit, die sich in den Erfolgen der Frau bei fremden Männern sonnen will, sexuelle Impotenz usw. und Ursachen, die bei der Frau selbst zu suchen seien, wie ihre Eitelkeit, die Kinderlosigkeit der dem Muttertypus angehörigen Frau, Degeneration, „Wahlverwandtschaft“ und „Keimfeindschaft“ — alles ohne Rücksicht auf die tiefsten Wurzeln der psychosexuellen Entwicklung, die der Mensch im Elternhaus in der frühesten Kindheit durch Milieu und Erlebnis erwirbt und zum kleineren Teil als Veranlagung von Vater und Mutter ererbt Was Kisch als Ursachen der sexuellen Untreue bezeichnet, sind bloß