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Wir kennen aus der Psychiatrie Krunkheitszustände, deren Vorlauf ausgesprochene Periodizität zeigt; es genügt wohl, wenn ich an die periodische Manie und Melancholie erinnere. Auch wissen wir es seit Freuds psychoanalytischer Feststellung, daß die Psychoneurotiker — von denen bekanntlich so viele an verdrängten Erinnerungen leiden — gerne den Jahrestag oder die Jahreszeit gewisser für sie kritischer oder bedeutsamer Erlebnisse mit der Steigerung ihrer Symptome feiern. Aber von Neurosen, deren Symptom-schwankungen vom jeweiligen Wochentage abhängig wären, hat meines Wissens noch niemand Erwähnung getan.
Und doch glaube ich die Existenz dieser eigenartigen Periodizität behaupten zu können. Ich behandelte mehrere Neurotiker, deren spontan erzählte oder während der Analyse reproduzierte Krankheitsgeschichte die Angabe enthielt, gewisse nervöse Zustände hätten sich bei ihnen — zumeist in der Jugendzeit — an einem bestimmten Wochentage, dann aber regelmäßig eingestellt.
Die Mehrzahl verspürte die periodische Wiederkehr der Störungen an Sonntagen. Zumeist handelte es sich um Kopfschmerzen oder Magendarmstörungen, die sich ohne besondero Ursache an diesem Tage einzustellen pflegten und den jungen Leuten den einzigen freien Tug der Woche oft gründlich verdarben. Ich brauche wohl nicht zu versichern, daß lob dabei die Möglichkeit rationeller Ursachen nicht außer acht ließ. Auch die Patienten selbst bemühten sich — scheinbar mit Erfolg — um eine sinngemäße Erklärung dieser sonderbaren zeitlichen Bestimmtheit ihrer Zustände und wollten es mit der diätetischen Sonderstellung des Sonntags in Zusammenhang bringen. Am Sonntag schläft man länger als sonst, darum hat man Kopfschmerzen, sagten die einen; Sonntags ißt man so viel und so gut, darum verdirbt man sich so leicht den Magen, sagten die anderen. Ich will auch die Wirksamkeit dieser rein somatischen Momente in der Hervorrufung der sonntäglichen Periodizität nicht in Abrede stellen.
Manches spricht aber dafür, daß diese physiologi