You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Vielleicht das überraschendste Ergebnis der Forschungen Freuds, und gewiß dasjenige, das dem stärksten Unglauben und dem lebhaftesten Widerstand begegnet ist, war die Entdeckung, daß gewisse Charakterzüge durch das Auftreten sexueller Erregungen der Afterzone in der frühesten Kindheit tiefgreifende Veränderungen erfahren können. Daß jeder diese Behauptung beim ersten Hören als unfaßbar und grotesk empfindet, zeigt uns, wie stark unser bewußtes Denken dem Unbewußten entfremdet ist; denn ihre Wahrheit kann niemand, der sich ernsthaft mit psychoanalytischen Untersuchungen beschäftigt hat, in Zweifel ziehen.
Zwei biologische Erwägungen, von denen sich die eine auf das ontogenetische, die andere auf das phylogenetische Alter des in Hede stehenden physiologischen Prozesses bezieht, sollten übrigens der oben angeführten Behauptung, wenn nicht Beweiskraft, so doch einen Anstrich von Wahrscheinlichkeit verleihen. Die eine lehrt uns, daß der Akt der Defäkation während des ersten Lebensjahres das eine der beiden großen Lebensinteressen des Säuglings ausmacht. Da es die Grundlehre der genetischen Psychologie ist, daß alle späteren Neigungen und Interessen stark von den zeitlich früheren beeinflußt werden, so sollte uns das zu denken geben. Dem läßt sich auch an die Seite stellen, daß. außer bei den Menschen, bei allen Tieren die Funktion der Nahrungsaufnahme konstant in den Mittelpunkt des Interesses gerückt erscheint. Die andere Erwägung weist uns darauf hin, daß viele Sexualvorgänge und Organe sich, beim Individuum wie auch bei der Rasse, aus den der Exkretion dienenden entwickelt haben und ihnen in großen Zügen nachgebildet scheinen: so werden zum Beispiel bei den niederen Tieren — teilweise sogar beim Menschen — für beide Funktionen die gleichen Ausrührungsgänge verwendet. Es sollte uns daher nicht allzusehr