You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Es gibt Menschen, die dazu neigen, jedesmal wenn sie etwas durch-denken wollen, in der Bewegung, die sie gerade ausführen (z. B. im Gehen), innezuhalteu und sie erst nach beendigtem Denkakt fortzusetzen. Andere wiederum sind außer stande, einen irgendwie komplizierten Denkakt in Ruhe auszuführen, sondern müssen dabei eine rege Muskeltätigkeit entfalten (vom Sitze aufstehen, herumgehen etc.). Die Personen der ersten Kategorie erweisen sich oft als stark gehemmte Menschen, bei denen jode selbständige Denkleistung die Überwindung innerer (intellektueller und affektiver) Widerstände erfordert. Die Individuen der zweiten Gruppe (welche man als „motorischen Typus“ zu bezeichnen pflegt) sind im Gegenteil Leute mit zu raschem Vorstellungsablauf und sehr reger Phantasie. Für den innigen Zusammmenhang zwischen dem Denkakt und der Motilität spricht nun die Tatsache, daß der Gehemmte die durch Einstellung der Muskelinnervationen ersparte Energie zum Überwinden von Widerständen beim Denkakt zu verwerten scheint, während der „motorische Typus“ allem Anscheine nach Muskelenergie verschwenden muß, wenn er im Denkvorgang das sonst allzu „leichte Überfließen der Intensitäten“ (Freud) mäßigen, d. h. seine Phantasie hemmen und logisch denken will. Die Größe der zum Denken erforderlichen „Anstrengung“ hängt — wie erwähnt — nicht immer von der begrifflichen Schwierigkeit der zu bewältigenden Aufgabe ab, sondern ist — wie uns Analysen zeigen — sehr oft affektiv bedingt; unlustbetonte Denkprozesse erfordern ceteris paribus größere Anstrengung, gehemmtes Denken erweist sich hei der Analyse sehr oft zensurbedingt, d. h. neurotisch. Bei Personen mit leichter Cyklothymie sieht man den Zuständen gehemmter und erleichterter Phantasietätigkeit, Schwankungen der Lebhaftigkeit der Bewegungen parallellaufen. Aber auch beim „Normalen“ kommen zeitweise diese motorischen Symptome der Denkhemmung oder Erregung vor.1)
Bei näherer Untersuchung findet man allerdings, daß der Anschein, als ob in diesen Fälle