You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Rudi wurde eben zwei Jahre alt, als ihn seine Kinderfrau verließ. Durch die Not der äußeren Umstände, durch die starke berufliche Inanspruchnahme der Mutter bildete diese Kinderfrau durch zwei Jahre eine Art „Mutterersatz“ für den kleinen Rudi. Sie war es, die sich vom Beginn seines Lebens gänzlich zu Diensten seines Autoerotismus stellte — sie war es, die seinem Nahrungs-bedürfnis nachkam, seine exkretorischen Vorgänge betreute, seine Wünsche erfüllte. Die erste Objektwahl vollzog sich den Umständen entsprechend mit Umgehung der eigenen Mutter, um so mehr, als die Kinderfrau es glänzend verstand, die Exklusivität der Liebesbeziehungen des kleinen Rudi herzustellen, indem sie niemanden zur Vollziehung der Liebesdienste zuließ.
Das Verhältnis der beiden zueinander war äußerlich kühl: der Wunsch der Mutter, den Buben nicht zu verhätscheln, entsprach dem Temperament und den Anschauungen seiner Pflegerin. Bubi wurde von ihr mit einer gleichmäßig-kühlen Anhänglichkeit betreut — er erwiderte dieselbe in gleicher Weise, — keine Zärtlichkeitsausbrüche, keine Küsse, kein Umarmen. Die Zärtlichkeiten seiner Mutter nahm Bubi mit der Gebärde des Sichgefallen-lassens entgegen.
Die Kinderfrau verließ das Hans ohne Abschiednahme von ihrem kleinen Schützling. Eine junge, lustige Pflegerin rückte als Rudis Spielkameradin ein. Das Kind war begeistert: es schleppte sein ganzes Spielzeug heraus, um es der „Neuen“ zu zeigen, ließ sich von ihr Lieder vorsingen, Bilder erklären,