You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das kleine Mädchen machte an einem Sommertage die längere Bahnfahrt an den See mit und freute sich namentlich auf das Kahnfahren. Während sonst Eltern oder Kindermädchen zu bestimmter Stunde daran denken oder vom Kinde selbst gemahnt werden, ihm die Hose aufzuknöpfen, wonach es auf dem Topf oder im Freien hockend Urin läßt, wird an diesem Tage in der Fremde vergessen und nach der kurzen Kahnfahrt nach Tisch entdeckt
man, da man das Kind „setzen“ will, daß es sich eben auf dem Schiff ganz voll genäßt hat. Die Mutter tadelt lebhaft das verantwortliche Kindermädchen und betont dabei, das Kind sei ja — nicht rechtzeitig erinnert — unschuldig. In der zweiten Nacht danach, gegen Morgen, findet man, daß das eben harmlos erwachte Kind genäßt hat. Nach energischer Strafpredigt und Drohung unter Tränen des Kindes bleibt die ungern gesehene Enuresis dauernd aus.
Interessant wird der Fall erst durch seine Details. Das Kind, das etwas später als der Durchschnitt, zur Trockenheit gelangt war, hatte mehrere Wochen vor dem Vorfall auf dem See, als der Vater ihm von einem Schiffsunglück erzählte, dessen Überlebende auf kleinen Kähnen tagelang im Meer herumirrten, gefragt: „Machen die auch im Schifferl Lulu?“, d. h. es beschäftigte es bei diesem Bilde sofort der Gedanke des Harnlassens. Als am Tage des Kahnfahrens dasselbe bei Tisch angekündigt wurde, sagte das Kind neuerlich: „da macht man auch Lulu im Schifferl“, worüber die Großen vermutlich lächelnd oder ausweichend hinweggingen. Das Kind aber verzichtete auf diesen kumulierten Wassergenuß nicht, sondern sparte sich den Harn richtig bis zur Kahnfahrt auf, die nicht ohne kleine Ängste für es verlief. Es sei noch erwähnt, daß der Tag ein trüber war, an dem Nebelrieseln in veritablen Regen gerade während der Kahnfahrt überging. (Der Ausdruck „schiffen“ für Harnlassen ist dem Kinde unbekannt.)
Man muß für die Erklärung der Assoziation zwischen der Erzählung vom Imschiffchenfahren und dem Wasserlassen wohl nicht an archaische Assoziat