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Cornelia war viele Jahre lang die Frau des Tiberius Sempronius, dem sie zwölf Kinder schenkte. Zwei Söhne, Tiberius und Cajus, und eine Tochter, Sempronia (die dann Scipio Africanus Junior heiratete), blieben ihr erhalten. Nach dem Tode ihres Gatten schlug sie die Hand des ägyptischen Königs Ptolomäus aus, um sich ausschließlich ihren Kindern zu widmen. Über ihr Geschmeide be fragt, antwortete sie einmal, auf ihre Kinder zeigend: „Dies sind meine Schätze,
meine Juwelen.“ Das traurige Los ihrer beiden Söhne ertrug sie standhaft in der größten Zurückgezogenheit. Cornelia war eine der edelsten Frauen Roms, die man auch ob ihrer großen Bildung verehrte; die Sprach-schönheit ihrer Briefe wurde viel bewundert Das römische Volk verewigte das Andenken der „Mutter der Gracchen“ in einer ehernen Statue.1)
Soviel erfahren wir über diese edle Römerin von Plutarchos: die Nachrichten über ihre Person stammen aber durchwegs aus zweiter Hand und auch die in den Schriften des Cornelius Nepos erhaltenen zwei Brieffragmente werden von Sachverständigen nicht für echt gehalten.
Man darf es gewiß für eine Verwegenheit halten, wenn ich mich getraue, nach mehr als zwei Jahrtausenden einen neuen Beitrag zum Verständnis des Charakters der Cornelia zu liefern. Seine Veröffentlichung in dieser Zeitschrift läßt es aber erraten, daß ich ihn nicht frischen Ausgrabungen, sondern psychoanalytischer Erfahrung und Überlegung verdanke.
Es leben nämlich auch heute Frauen vom Typus der edlen Cornelia, Frauen, die, selbst bescheiden, zurückhaltend, oft etwas herb, — mit ihren Kindern wirklich wie andere mit ihrem Geschmeide prangen; es kommt auch vor, daß solche Frauen an einer Psychoneurose erkranken, und da bietet sich dem Seelenarzte die Gelegenheit, unter anderem auch diesen Charakterzug der Analyse zu unterziehen. Er gewinnt dabei einen tieferen Einblick in die Eigenart ihres Vorbildes Cornelia und lernt das universelle Interesse, das der über sie erzählten Anekdote entgegengebracht wird, besser vers