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In Flögel-Bauers „Geschichte des Grotesk-Komischen“1) finden sich unter dem Titel „Batter il culo sul lastrone“ folgende interessante Daten:
„In Neapel stieg ehedem der zahlungsunfähige Schuldner auf eine kleine Säule auf dem Platze vor dem Justizpalast (Palazzo de' Tribunali), wo er sich die Hosen herunterlassen und den bloßen Hintern zeigen mußte, mit den dreimal wiederholten Worten: Wer was zu fordern hat, komme her und
mache sich bezahlt! (chi ha d'avere, si venga a pagare.) Dieser Brauch reichte bis nach Sizilien.
„In Florenz war es ehedem gebräuchlich, daß insolvente Schuldner angesichts des auf dem Mercato nuovo versammelten Volkes mit ihrem Hintern auf einen großen Pflasterstein (lastra) stoßen mußten, wodurch sie von jedem persönlichen Zwang seitens ihrer Gläubiger frei blieben, Daher die Redensart „Batter il culo sul lastrone“, d. h. bankrott werden.
„In den Niederlanden war es üblich, daß sich die insolventen Kaufleute mit entblößtem Podex auf einen Stein setzen mußten. In Schwaben, dem Orte Pfaffenhofen bei Güglingen, soll einst eine ähnliche Sitte geherrscht haben.“
Hiezu ist nur zu bemerken, daß ich die geographische Reihenfolge der Mitteilung bei Flögel-Bauer (Florenz, Neapel, Niederlande) umgeändert habe, da ich den Eindruck hatte, daß dadurch auch die Wirkung einer entsprechenden, fortschreitenden Verdrängung des ursprünglichen Triebes wahrzunehmen ist. Worte und Gebärden scheinen bei dem Volke der südlicheren Klimata lebhafter, ausdrucksvoller gewesen zu sein, und auch hier ungenierter bei den Neapolitanern als bei den Florentinern, dagegen bemerken wir im Norden eine Abschwächung der Geste zur einfachen Entblößung.