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Mit großer Freude wird jeder Analytiker Simmels Arbeit lesen. Nicht, weil sie ihm Überraschendes oder Neues vermittelt, sondern weil von dritter Seite hier eine kräftige Lanze für Freud und seine Lehre eingelegt wird. Es ist mir unbekannt und geht auch nicht klar aus der Arbeit hervor, ob der Verfasser sich schon früher mit analytischen Theorien befaßt oder sie sich erst ad hoc angeeignet hat. Ich nehme das letztere aus mehreren Gründen an und muß seine Leistung und seine Erfolge daher um so höher werten.
Verfasser ist leitender Arzt eines Speziallazaretts für Kriegsneurotiker. Ursprünglich sollte er nur suggestiv-hypnotisch arbeiten. Aber er sah zahlreiche Mißerfolge. So schien der „Gedanke naheliegend, die Freud sche Lehre vom ‚Psychischen Trauma‘ als Ursache dieser Neurose zu erforschen und zu dem Zwecke die von ihm angegebene ‚Psychoanalytische Methode‘ an einem größeren Material zu erproben“.
Einleitend spricht Simmel über die Mannigfaltigkeit der Neurosen; es folgt eine Auseinandersetzung über den Begriff der Psychoneurose, die eintritt, „wenn der Persönlichkeitskomplex nicht mehr die stärkste Gefühls-bestimmung allen anderen Empfindungen gegenüber hat, wenn gleichstarke oder stärkere Gefühlskomplexe im Innenleben des Menschen entstehen, die dann selbständig als sogenannte ‚überwertige‘ Gefühlskomplexe wirken. Gefühlskomplexe werden überwertig, wenn unter irgend welchen äußeren Einflüssen die Abreaktion ihrer starken Gefühlsbetontheit in den adäquaten Affekt nach außen behindert ist, während der Ichkomplex nicht im stande ist, diesen im Abfiuß gehemmten Komplex ins Bewußtsein zu ziehen und mit Hilfe des Intellekts umzuarbeiten, der Tendenz der Gesamtpersönlichkeit unterzuordnen und so seiner Selbständigkeit zu entkleiden“. Kindliche oder pathologische Schwäche des Intellekts, auch solche unter toxischen, Ermüdungs- usw. Einflüssen, begünstigen den Vorgang und schaffen eine Prädisposition für das „Psychische Trauma“. Aber gegenüber „katastrophalen Umwälzungen“ ka