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So manches Problem der Psychoanalyse, dessen Lösung vorläufig noch auf sich warten läßt, erscheint in den zahlreichen Arbeiten von Freud zumindest in Zusammenhang mit anderen Fragen des Seelenlebens einer teilweisen Klärung nähergebracht; auch fehlt es daselbst in der Regel nicht an verwertbaren Hinweisen, wie diese glücklich erfaßten Zusammenhänge psychologisch durchzubilden und in den Schatz unserer bisherigen Kenntnisse einzureihen sind. In einer seiner jüngsten Publikationen hat Freud1) andeutungsweise eine solche wichtige Beziehung zwischen der unfreiwilligen Harnentleerung und der Reaktion der Beschämung (sowie eine zwischen der unwillkürlichen Harninkontinenz und dem Feuer) aufgedeckt, eine Beziehung, welche er in die letzten Hintergründe der Kulturgeschichte zurückverfolgt wissen will. Diese allzu knappe Notiz, deren ausführliche Begründung durch Freud man in jedem Belang erhoffen möchte, enthält bereits eine Andeutung über die Genese des Schamgefühls. Im folgenden werden nun die Ergebnisse einer Psychoanalyse mitgeteilt, die hierüber — jedoch nur soweit aus einem vereinzelten Falle Schlüsse gezogen werden können — näheres aussagen. Die speziellen Tatsachen sollen dabei in erster Reihe zur Würdigung kommen. Auch sonst dürfte der gewählte Fall dazu geeignet sein, in den Einzelheiten theoretisch erwogen zu werden.
Es handelt sich um ein 25jähriges Mädchen aus mittleren Bürger-kreisen der Provinz und ohne besondere Intelligenz, das in Gesellschaft an Ausbrüchen eines für sie höchst peinlichen und quälenden Schamgefühls litt. Ihre Klagen, die sie nach manchen gescheiterten Heilversuchen durch verschiedene Ärzte schließlich zu mir führten, lauteten dahin, daß sie den Menschen nicht in die Augen schauen könne und