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Ein junger Student, der wegen Zwangsneurose in psychoanalytischer Behandlung steht, sprach mir im Laufe der Kur öfters von der Abneigung, die er gegen die Wissenschaft der darstellenden Geometrie verspürt. Diese Disziplin sei ein Ballast des Lehrplanes, ein uninteressantes, langweiliges, steriles Wissen, habe in seinem zukünftigen Berufe — er will Maschineningenieur werden — gar keine praktische Verwendung u. dgl. Diese Ansicht des Kranken war mit seiner Intelligenz und seinem sonstigen Verständnis für die technischen Wissenschaften nicht gut vereinbar. Ich mußte annehmen, daß sie durch unbewußte Motive determiniert ist, konnte aber den Sachverhalt zunächst nicht durchschauen.
Eines Tages erzählte nun der Kranke, dessen Seelenleben u. a. von starker Kastrationsangst beherrscht war, verschiedene Szenen aus seinem Leben, in denen er dem Schweineschlachten zugesehen hatte, was ihm stets die peinlichsten Affekte bereitete. In die Schilderung einer solchen Begebenheit vertieft, gebraucht er plötzlich bei der trivialen Beschreibung der Arbeit des Selchers das in diesem Zusammenhange seltsam anmutende Wort „Schnittfigur“. Ich mache ihn auf diese sonderbare stilistische Wendung aufmerksam und halte ihm vor, der von ihm gebrauchte Ausdruck sei ja ein Terminus technicus der darstellenden Geometrie. Hierauf folgen Einfälle, die den Patienten zu der eigentlich so naheliegenden Erkenntnis verhelfen, daß die darstellende Geometrie mit Ausdrücken wie „Schnitt, Schnittebene, Schnittfläche, Schnittpunkt, Schnittlinie, Schnittgerade etc.“ förmlich gesättigt ist, ja daß schließlich diese ganze Wissenschaft von Darstellungen in Ebenen handelt, welche den Raum durchschneiden. Er gibt dann unter lebhafter Affektäußerung zu, daß seine sonderbare Abneigung gegen die darstellende Geometrie durch die Kastrationsangst bedingt war und verspricht sich, seine vernachlässigten Studien in diesem Gegenstande von neuem in Angriff zu nehmen.
Wir haben noch in anderem Zusammenhange gewonnenes Material z