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Die sehr belehrende und interessante Arbeit vereinigt die weiteste Literaturkenntnis, große Erfahrung auf sexualpathologischem Gebiete und Kenntnis der modernen Geistesströmungen, um mit meist einleuchtender Kritik alle Einflüsse darzustellen, welche die „Geburtlichkeit“ seit Kulturbeginn beeinflussen und in der neuesten Zeit mehr und mehr herabsetzen. Die vielen Komponenten der Entwicklung, die sich in der Entstehung der Ehe, in den immer mehr sich komplizierenden ökonomischen, nationalen, politischen, frauenrechtlichen, erotischen, religiösen und philosophischen Strömungen sich äußern und wirken, werden dargestellt, so daß die Schrift eine sehr konzentrierte, von einem originellen Blickpunkte aus aufgefaßte Kulturgeschichte wurde. Diese Vielseitigkeit macht sie zum Referate ungeeignet. Bei manchen Einzelfragen erscheint die Erledigung zu knapp, weil es dem Autor mehr auf die historische Kritik als auf die Begründung seiner Stellungnahme ankommt.
Die sexuellen Zustände im heutigen Deutschland werden ausführlich unter Berücksichtigung der neuesten Einflüsse der Frauenbewegung, des Krieges, der Eugenik und auch in Hinblick auf biologische Fragen der Anpassung und Degeneration erörtert. Die Stellung des Autors wird durch folgende Zitate gekennzeichnet:
„……. es ist nämlich eine weitgehende Unabhängigkeit der neuzeitlichen Fortpflanzungsunlust von allen sozialen und wirtschaftlichen Besonderheiten festzustellen. Nicht ob arm oder reich, ……. bestimmt nunmehr den Willen zur Kinderlosigkeit und Kinderarmut, sondern allein die psychische Einstellung des modernen Kulturmenschen zum Leben und damit auch zur Weitergabe des Lebens und Neuerweckung von Leben. Was er vom Leben fordert, und was er ihm schuldig zu sein glaubt, das entscheidet über seinen Fortpflanzungsgedanken und Willen.“
Als das Wesentliche lassen sich etwa folgende Tatsachen herausheben:
„Daß wir unsere gesamte praktische Orientierung an ‚kullurellen‘ Aufgaben und Werten, nicht dagegen an konstitutiven gewonnen habe