You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Adler beschreibt abermals den aus seinen früheren Schriften bekannten „nervösen“ Charakter.
„Das Gemeinsame an den Erscheinungen jeder sexuellen Perversion (Homosexualität, Sadismus, Masochismus, Masturbation, Fettischismus usw.) läßt sich nach den Ergebnissen der individual-psychologischen Schule in folgenden Punkten zusammenfassen:
Jede Perversion ist der Ausdruck einer vergrößerten, seelischen Distanz zwischen Mann und Frau;
sie deutet gleichzeitig eine Revolte gegen die Einfügung in die normale Geschlechtsrolle an, und äußert sich als ein planmäßiger, aber unbewußter Kunstgriff zur Erhöhung des eigenen gesunkenen Persönlich-keitsgefühles;
niemals fehlt dabei die Tendenz der Entwertung des normals zu erwartenden Partners…..;
Perversionsneigungen der Männer erweisen sich als kompensatorische Bestrebungen, die zur Behebung eines Gefühles der Minderwertigkeit gegenüber der überschätzten Macht der Frau eingeleitet und erprobt werden…..;
Perversion erwächst regelmäßig aus einem Seelenleben, das durchwegs Züge verstärkter Überempfindlichkeit, überstiegenen Ehrgeizes und Trotzes aufweist….. Mangel tieferer Kameradschaftlichkeit, gegenseitigen Wohlwollens, der Gemeinschaftsbestrebungen…., egozentrische Regungen, Mißtrauen und Herrschsucht prävalieren. Die Neigung ‚mitzuspielen‘, sowohl Männern als Frauen gegenüber, ist gering.“
In den weiteren Ausführungen werden diese Erscheinungen erörtert, aber keinerlei Faktor angegeben, der zu dieser „Gesamterkrankung der Individualität“ hinzutreten muß, damit gerade Homosexualität als Mittel zur Aufrechterhaltung eines solchen unbewußten Lebensplanes benützt werde. Die Erfahrung und neuerdings das Werk Blühers sprechen sehr dagegen, alle Homosexuelle, als egozentrische, mißtrauische, lebensfeige, distanzsuchende Individuen aufzufassen. Aber dem Autor kam kein Zweifel in den Sinn, ob denn sein Material nervöser Homosexueller für die Erörterung der Ursache der Homosexualität überhaupt geeignet ist, ob die Homosexualität in den vorliegenden