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Die aktuelle, anregend geschriebene Arbeit war als Vortrag im Verein für Individualpsychologie gehalten. Der Verfasser steht nicht einseitig auf Adlerschem Standpunkt und baut die pathologischen Befunde richtig auf
der Annahme des infantilen Narzißmus auf. Die Grundidee der Arbeit ist, daß dieselben Vorgänge, die der Entstehung von individuellen Verfolgungsideen mit ihren Urteilstrübungen, eventuellen hysterischen Halluzinationen und Wahnbildungen auch zu dem Rassenhasse und des Rassenfanatismus der Menge führen. Da er die Bedingungen dazu überall gegeben sieht, wo Freunde in größerer Anzahl als Nebenbuhler auf wirtschaftlichem Gebiete auftreten, erübrigt sich ihm eine spezifische Ätiologie des Antisemitismus, und er lehnt den von Freud als tiefste Ursache vermuteten Zusammenhang von Antisemitismus und der infantilen Gleichstellung von Beschneidung und Kastration ab. Dabei übersieht er, daß eine allgemeine Ätiologie nicht ausreicht und eine spezifische Überdeterminierung erst recht erfordert.
Daß der Autor die allgemeinen sexuellen Minderwertigkeitsgefühle an Stelle des Kastrationskomplexes setzt, entspricht dem Adlerschen Standpunkte. Die Verknüpfung und Auseinanderhaltung dieser beiden psychischen Faktoren, die verschiedenen Schichten des Bewußtseins und der Entwicklung angehören, wäre ein dankenswertes Thema einer psychoanalytischen Arbeit.
Dr. Paul Federn.