You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Pathologie der Kriegsverletzungen hat uns neben den rein organisch-zerebralen Folgezuständen nach Kopfschuß usw, und den rein psychischen Nachwirkungen von Kriegstraumen häufige Mischbilder gezeigt. In diesen treffen organogene und psychogene Erscheinungen zusammen. Die Analyse derartiger klinischer Bilder kann sehr schwierig sein. Pötzl untersucht in der vorliegenden Schrift zwei einschlägige Fälle in erschöpfender Weise. Er beschränkt sich aber nicht auf eine Zerlegung des Krankheitsbildes in seine Komponenten, sondern untersucht die dynamischen Vorgänge, welche aus Resten organischer Läsionen hysterische Symptome entstehen lassen. Er begnügt sich nicht wie andere Autoren mit dem Hinweis auf einen durch die Verletzung hinterlassenen Locus minoris resistentiae oder auf den Einfluß zerebraler Ausfallserscheinungen auf die Lokalisation der hysterischen Symptome. Auch erklärt er die Verschiebung des Problems auf das morphologische Gebiet — durch Annahme „mikroorganischer“ Veränderungen — für unstatthaft. Das Erwachsen hysterischer Symptome aus den Rudimenten organischer Veränderungen (anklingender, abklingender und latenter) sucht er auf einem der Breuer-Freudschen Konversion ähnlichen Wege zu erklären.
An dieser Stelle kann auf die mitgeteilten Krankheitsfälle nicht näher eingegangen werden. Das Referat muß sich auf das für den Psychoanalytiker Wesentliche beschränken. In diesem wird die wiederholte unumwundene Erklärung des Verfassers, er stimme den psychoanalytischen Auffassungen vom Aufbau der Neurosen in weitem Umfang zu, eine berechtigte Spannung erzeugen. Denn ein derartiges Bekenntnis findet sich zum erstenmal in einer Arbeit, die aus der Wiener psychiatrisch-neurologischen Klinik stammt. Die Sympathie, welche das offene Bekenntnis des Autors uns abnötigt, darf uns aber an einer kritischen Untersuchung, inwieweit es die Psychoanalyse theoretisch anerkennt und inwieweit seine eigenen Untersuchungsergebnisse sich den psychoanalytischen nähern, nicht verhinder