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Unter Kriegsneurosen (War Shocks) versteht man diejenigen traumatischen Neurosen, die aus der schreckhaften Einwirkung von Kriegserlebnissen hervorgingen. Bei der Diskussion über die Entstehung dieser Krankheiten scheint in den Kreisen, die sich mit ihrer psychischen Determinierung befassen, die Ansicht vorzuherrschen, daß es sich im wesentlichen stets um dieselbe unbewußte Absicht handle, sich durch die Symptome den Leiden und Gefahren weiteren Kriegsdienstes zu entziehen- Wie sich dieser psychologische Prozeß abspielt, haben die Arbeiten von Freud, Ferenczi, Abraham und Jones klargestellt (vgl. Internat. Psychoanalyt. Bibliothek Nr. 1).
Es scheint mir nun aber, daß diese Untersuchungen nur den einen Typus von Kriegsneurosen berücksichtigen, und zwar denjenigen, der sich Urnen aus der Lazarettpraxis ergab. Daneben gibt es jedoch meines Erachtens auch andere Typen, bei denen es sich nicht um eine narzißtische Libidostauung, sondern um eine regelrechte Übertragungsneurose handelt. Sie haben vollen Anspruch auf den Namen Kriegsneurosen und bieten klinisch denselben Anblick dar, und doch liegt ihre Ursache in einer Liebesversagung. Man findet sie häufig in den Gefangenen- und Interniertenlagern, welche die Gefahr der Bückkehr an die Front von vornherein ausschließen. Und ihre Zahl ist ungeheuer groß.
Daher möchte ich einen kleinen kasuistischen Beitrag zur Übertragungsform der Kriegsneurose liefern.
Bei einem Ferienbesuch im Hause eines ärztlichen Freundes wurde ich gebeten, die Psychoanalyse bei einem 22jährigen lungenkranken Internierten anzuwenden. Der Mann litt stark unter Angststimmung tagsüber und besonders im Schlafe. Da weckte er seine Kameraden sehr häufig durch ein jämmerliches Angstgeschrei, das erst verstummte, wenn er selbst aufgeweckt wurde. Daneben quält ihn Schläfenkopfweh und ein durch den Lungenbefund nicht gerechtfertigter, vom Arzt auf Nervosität zurückgeführter Druck auf der Brust.