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Es ist durch den Hinweis mehrerer Autoren (Freud, Abraham Rank) geläufig geworden, daß sich in vielen Träumen mythologische Bezüge nachweisen lassen. Ich möchte nun im folgenden zwei Träume mitteilen, die uns gleichzeitig etwas darüber andeuten, wie sich die Antike die Figur des Gottes Hermes vorstellte.
Beispiel 1. Traum eines leicht nervösen Mannes, der zurzeit gegen starke Onaniegelüste ankämpft: „Ich steige eine hohe Treppe hinauf und habe hiebei ein Kind auf dem Arme.“ Der Träumer erwacht und findet sein Glied erigiert.
Das Stiegensteigen gilt nach Freud (Kl. Schriften, III. Folge, Seite 290) als Symbol des geschlechtlichen Verkehrs. In diesem Falle dürfte es aber auch die immer stärker empfundene Erektion bedeuten. „Das Kleine ist das Genitale“ (Freud: Traumdeutung, IV“. Auflage, Seite 266). Der Träumer verspürt demnach wohl die Lust, sein erigiertes Glied in die Hand zu nehmen. Ein wenig befremdend wirkt das Symbol des Kindes auf seinem Arme, das die Vorstellung eher mit dem Weiblichen paart (Mutter und Kind). Es ist bedingt durch den geheimen Wunsch, jemals ein Kind zu zeugen, vielleicht drückt es auch den femininen Charakter des Träumers aus und kann überdies eine Wiederholung aus der Wirklichkeit sein. Das Erwachen ist einerseits als Effekt dieses „Wecktraums“ anzusehen, zugleich aber drückt es den Widerstand gegen die Onanieversuchung aus. An diesem sonst überaus durchsichtigen Traume ist bloß das Symbol des Kindes auf dem Arme des Träumers bemerkenswert. Er kopiert hier unbewußt eine in der griechischen Plastik bekannte Darstellung, die auf ein Original des berühmten Praxiteles zurückgeht. Es ist dies der „Hermes von Olympia“1), der auf dem linken Arme das Dionysosknäblein trägt. Mit der (fehlenden) Rochten hielt er ihm eine Traube hin. Sowohl der kleine Dionysos, wie auch die Traube galten den Griechen als die mythologische bzw. künstlerische Projektion eines Rauschzustandes. Dem Kultgott Dionysos (Tod und Auferstehung) kommt über