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Das zufällige Zusammentreffen zweier Beobachtungen, eines Traumes und einer Kindheitserinnerung (jede bei einem anderen Patienten) bringt mich zur Annahme, daß die Nacktheit in der Kinderstube und im Unbewußten als Abschreckungsmittel Verwendung finden kann.
Einer Patientin, deren „grande Hysterie“ nach dem unerwarteten Verluste ihres abgöttisch geliebten älteren Knaben wieder auflebte und die sich in ihrem Lebensüberdruß unausgesetzt mit Selbsttmordplänen beschäftigte, träumte eines Tages u. a., daß sie vor ihrem jüngeren Knaben stellt und zaudert, ob sie sich vor dem kleinen Jungen nackt avisziehen und sich waschen soll. „Tue ich das,“ — dachte sie sich — „so bleibt im Kinde unauslöschlich eine Erinnerung haften, die ihm schaden, ja ihn zu Grunde richten kann.“ Nach einigem Zögern tut sie es aber doch: sie zieht sich vor dem Kinde aus und wäscht ihren nackten Körper mit einem Schwamm.
Der mit Anführungszeichen hervorgehobene Gedanke stammt aus dem Wachleben und bezieht sich auf die Selbstmordabsicht; sie weiß, zum Teile auf Grund psychologischer Lektüre, daß ihr Selbstmord auf das Seelenleben des als mutterlose Waise zurückbleibenden Kindes eine verheerende Wirkung ausüben könnte. Anderseits hat sie — besonders seit dem Tode des Ältesten — oft ganz bewußt feindselige Anwandlungen gegen das am Leben befindliche Kind; sie hatte sogar eine Phantasie, in der das traurige Los des Älteren auf den Jüngeren übertragen wurde.
Dieses aktuell bestehende Schwanken zwischen Selbstmordabsicht und Pflichtgefühl, zwischen Liebe und Haß gegen das vom Schicksal begünstigte Kind wird aber im Traume merkwürdigerweise zum Schwanken zwischen der Exhibition und ihrem Gegensatze. Das dazu gehörige Material holte die Patientin aus dem eigenen Erleben. Ihren älteren Knaben liebte sie so sehr, daß sie es niemals gestattete, daß er von jemand anderem, als von ihr gebadet und gewaschen werde. Natürlich wurde diese Liebe vom Knaben auch erwidert, ja, seine Anhänglichkeit nahm zeitweise ausgesproc