You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In dem Werke „Die geistige Kultur der Naturvölker“ (Verlag B. G. Teubner), das in gedrängtester Zusammenfassung die Forschungsresultate der Ethnologie darzustellen sucht, führt K. Th. Preuß (S. 102) aus: „Erzählungen, wie die richtige Art des Beischlafes eingeführt wurde, und wie es früher damit bestellt war, sind gar nicht selten. Ebenso erzählt ein Eskimomythus, daß früher die Kinder im Mutterleibe durch den Beischlaf genährt wurden und ursprünglich überhaupt nicht darin waren, sondern im Grase gefunden wurden, bis eines von ihnen an den Stiefeln einer Frau in die Höhe und in ihren Leib kletterte. Übernatürliche Geburt durch Genießen einer Frucht u. dgl. liegt der Phantasie an sich dalier gar nicht fern und hat daher nichts mit einer tatsächlichen vollständigen Unkenntnis der Beziehung zwischen Beischlaf und Konzeption zu tun.“ Es liegt also hier eine „Mutterleibsphantasie“ vor, in welcher der Penis die Funktion der Mamma, der Mutterbrust, ausübt. Auf eine derartige typische infantile Sexualtheorie hat Freud schon in seiner „Dora“-Aanalyse hingewiesen und darauf aufmerksam gemacht, daß der Ursprung dieser Phantasie wahrscheinlich die Beobachtung des Kuheuters sei, also einer Mamma, die nach Gestalt und Lage leicht für den, vom Knaben bei jedem Lebewesen als vorhanden vorausgesetzten Penis gehalten werden könne. Wie ersichtlich, nimmt Preuß den auch von Freud in „Totem und Tabu“ eingenommenen Standpunkt ein, daß derartige Phantasien nicht als Beweis der Unkenntnis der tatsächlichen Beziehungen zwischen Beischlaf und Vaterschaft gelten können.
S.