You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Eine in psychoanalytischer Behandlung befindliche Patientin träumt.
„Ich sitze auf einem Korbstuhl an der Mauer eines Hauses. Das Haus liegt an einem großen See. Der Stuhl steht unmittelbar auf dem Wasser. Im See befinden sich viele schwimmende Menschen, außerdem Boote. In einem Boot sehe ich zwei Männer, einen älteren und einen jüngeren. Während das Boot auf mich zukommt, erhebt sich ein Windstoß und erzeugt auf dem See eine ungeheure Welle gerade hinter dem Boote. Sie verschlingt das Boot mit den Insassen. Auch die Leute, die im See schwammen, gehen unter. Nur eine Frau hält sich noch über Wasser, kommt in meine Nähe geschwommen und faßt nach meinem Stuhl. Ich denke, ich könnte ihr ein Bein entgegenstrecken, damit sie sich daran halten kann, habe aber für die Frau ebensowenig Mitgefühl wie für die anderen Verunglückten und unterlasse es, etwas zu ihrer Bettung zu tun.“
Die Analyse des Traumes, soweit sie hier von Interesse ist, ergibt folgendes.
Der ältere und jüngere Mann im Boote sind Vater und Bruder der Patientin; an beide ist ihre Libido übermäßig fixiert. Die schwimmende Frau ist ihre Mutter. Die psychische Konstellation, aus der heraus die Träumerin unbewußt den Tod der sämtlichen Angehörigen herbeiwünscht, kann hier übergangen werden. Dagegen soll hervorgehoben werden, auf welchem Wege die Beseitigung der Familie geschieht.
Bei der Patientin, deren genitale Erotik ungewöhnlich stark verdrängt ist, kommen Anal- und Urethralerotik in Träumen und neurotischen Symptomen überdeutlich zum Ausdruck. Der vorliegende Traum wird von diesen Tendenzen beherrscht. „Stuhl“, „Wind“ und „Wasser“ sind seine hauptsächlichen Requisiten. Von Wind und Wasser wird die Familie der Träumerin vernichtet. Sie selbst ist, aus Gründen der Zensur, scheinbar unbeteiligte Zuschauerin. Die Gefühllosigkeit, mit der sie der Katastrophe zusieht, legt die Vermutung