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Die Wichtigkeit eines wissenschaftlichen Werkes hängt nicht nur vom Tatsachenmaterial ab, worauf es neues Licht wirft, oder von der Neuheit der Auffassung, die es verkündet, sondern auch von der allgemeinen Tendenz, die sich hinter dem Inhalt offenbart. Piklers Buch birgt eine Tendenz, die nicht nur vom allgemein menschlichen, sondern insbesondere vom psychoanalytischen Standpunkte anziehend erscheinen muß. Diese Tendenz will die Lebenserscheinungen, besonders die psychische Beschaffenheit des menschlichen Organismus von innen aus, ohne Einmischung fremder, außerhalb des Organismus stehender Kräfte, verständlich machen. Die Quelle dieser Tendenz dürfen wir nur teilweise in den allgemein menschlichen narzißtischen Regungen suchen. Es hat auch einen hohen logisch-wissenschaftlichen Wert, eine in gewisser Beziehung sicher richtige Anschauung auf breiter Grundlage konsequent durchzuführen.
Will Pikler unsere psychische Beschaffenheit von der Wirkung äußerer Reize befreit sehen, so muß er eine Psychologie aufbauen, welche sich anknüpfend an die Ideen von Plato, Leibnitz, Kant, Kulpe, Bergson entfaltete. Pikler hat sich aber auch das wichtige Ziel gesetzt, die Freiheit der psychischen Beschaffenheit im Gegensatze zu den eben erwähnten metaphysisch-erkenntnistheoretischen Richtungen mit exakter Methode zu beweisen.
Im folgenden werde ich Piklers Gedanken kurz zusammenfassen, daran unter Klarstellung der Begriffe eine Kritik anschließen, endlich die psychoanalytischen Berührungspunkte nachweisen.
Pikler beginnt die Darstellung seiner Theorie mit der Kritik der bekannten Strümpell schen Schlaf-Wachseins-Theorie. Pikler beweist — und dieser Teil ist der bestgelungene der ganzen Arbeit —, daß die Strümpell sche Lehre, wonach das Ausbleiben der äußeren Reize den Schlafzustand hervorrufe und der Wachzustand die Folge der unaufhörlichen Weckreize sei, grundfalsch ist. Die Strürapell sche Theorie ist eine falsche Deutung nicht genügend beobachteter Tatsachen. „In bezug auf den Schlaf