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In der Wiener Gesellschaft der Ärzte (Protokoll vom 23. Jänner ) beschrieb der Vortragende eine Art von Zwangsbefürchtungen von Wöchnerinnen und jungen Müttern um das Wohl ihres Neugeborenen. Sie sind ängstlich erregt und unsicher bei allen Pflegemaßnahmen und Handgriffen und fürchten unnötigerweise, dem Kinde zu schaden. Moll konstatiert, daß die Mutterliebe sich erst im Laufe des Wochenbettes, insbesondere im Laufe der Laktation entwickelt und alle entgegenstehenden Regungen überwindet, die insbesondere bei der ledigen Mutter, aber auch bei Verheirateten aufzuzeigen sind. „Aus dem Vorhandensein der unmotivierten Ängstlichkeit, der zwanghaften Charakter tragenden Besorgtheit um das kindliche Leben kann man per analogiam mit den neurosenhaften Zwangsvorstellungen anderer Art den Schluß ziehen, ob auch hier dem Kinde ungünstige Regungen vorhanden waren oder nicht. Die Therapie der Maternitätsneurose kann nur in einer fachgemäßen psychotherapeutischen Behandlung bestehen, die von Geduld und vor allem von Verständnis für die Wurzeln dieser Erscheinungen getragen sein muß. In schweren Eällen mag selbst eine suggestive und eine psychoanalytische Behandlung erforderlich sein. Der Kinderarzt, der zum Verständnis des Seelenlebens des Kindes ohnehin das erforderliche Maß der psychotherapeutischen und psychoanalytischen Kenntnisse sich an-zueignen bestrebt sein muß, muß ebenso, soll er Erfolge haben, auch die geschilderten, physiologischen und pathologischen Erscheinungen im Seelenleben der Mütter zu analysieren und zu behandeln verstehen.“
Dr. E. Hitschmann.