You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der Autor bemüht sich, im ersten Artikel die Freud sche Lehre in großen Zügen darzustellen und seinen französischen Lesern verständlich zu machen. Es geht dabei freilich nicht ohne Vereinfachungen, die oft Verfälschungen des Tatbestandes bedeuten, ab. Es geht nicht an, die psychoanalytische Methode als „très simple“ zu bezeichnen. Baudouin erklärt das Betonen des sexuellen Moments in der Psychoanalyse als die paradoxe Seite der Lehre; seine Verteidigung der auf die Sexualität bezüglichen Annahmen der Psychoanalyse können wir nicht akzeptieren: das Paradoxe liegt seiner Meinung nach in der Ausdrucksweise Freuds; die Bezeichnung Sexualität nehme in dessen Lehre einen so weiten Umfang an, daß sie endlich mit dem der „énergie instinctive, d'intěret ou d'élan vital“ zusammenfalle. Die wiederholten und entschiedenen Äußerungen Freuds über Geltung und Begrenzung seines Sexualitätsbegriffes zeigen, daß diese Auffassung nicht die der Psychoanalyse genannt werden darf. Der zweite Artikel geht von dem Punkt aus, der vom Autor als „le plus contestable et contesté“ der Lehre bezeichnet wird. Die Adlersche Lehre scheint ihm von der Freudschen Libidotheorie nicht radikal verschieden zu sein: es handle sich um zwei Interpretationen derselben Tatsachen. Mit der Jungschen Lehre sei eine neue Periode der Psychoanalyse zu verzeichnen. Nachdem. Baudouin die Hauptzüge, durch welche sich die Jungsche Theorie von der Freuds unterscheidet — „unser Unbewußtes ist intelligent, manchmal intelligenter als wir“, behauptet er in Verfolgung der finalen Lehre —, breit dargestellt hat, kann er doch nicht umhin, zu bemerken, daß in der von der Züricher Schule angeblich errungenen Erweiterung des Horizontes auch eine Gefahr liege. Die Gefahr bestehe nämlich darin, daß die neuen Hypothesen wie etwa die von der Klugheit des Unbewußten zu den extravagantesten mystischen Romanen führen können.
Reik.