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Es ist vielleicht das persönlichste Werk Bleulers, entsprungen einer schon in der Studienzeit sich geltend machenden Indignation über allerlei Schlampereien im Denken und Handeln der Ärzte, in Wissenschaft und Praxis. Nur tiefstes Verantwortungsgefühl, peinliches Ordnungsbedürfnis und ungeduldiges Bessernwollen konnten dieses Werk entstehen lassen; es erinnert an Senecas „Werdet endlich weise!“ Überall treten Gerechtigkeit, Gründlichkeit und Ökonomie als leitende Gesichtspunkte hervor. Das Buch handelt vom Autismus in Behandlung und Vorbeugung, in. Begriffsbildung, Ätiologie und Pathologie, ferner vom medizinischen Autismus in der Alkoholfrage. Diszipliniertes Denken, skeptisches Nachprüfen, Vereinfachung, Wirkenlassen der Vernunft und Natur sind die Forderungen. Einige Beispiele mögen angeführt sein: Bei der Elektrotherapie fehle der Nachweis des Nutzens, bei der Hydrotherapie mangeln uns verständliche Indikationen; die künstlichen Nährmittel sind ganz ungenügend auf ihren Nutzen untersucht. Durch unvorsichtige Verschreibung von Müßiggang und Erholung schaden wir sehr.
Bleuler verlangt im Gegensatz zum „gewöhnlichen Denken“ in der Wissenschaft ein diszipliniertes: d. i. ein aufmerksames und rein realistisches. Mangel desselben führt zu vagen Begriffen, wie „Psychopathie, Degeneration, Nervenzerrüttung“. Die medizinische Statistik, die Beweisführung für den Wert einer Krankenbehandlung, die Methoden der wissenschaftlichen Publikationen scheinen dem Autor dringend verbesse-rungsbedürftig. Die Pfuscher müsse man studieren und ein Zusammenarbeiten nicht verschmähen; man könne von ihnen lernen. — Für den psychoanalytischen Leser ist die Lektüre des Buches doppelt wertvoll und erfreulich. Denn er findet, daß der Skeptiker und fast nihilistische Therapeut Bleuler gerade die Freud schen Lehren überaus hoch-schätzt; sie haben nach ihm „die ganze Psychopathologie auf eine andere Basis gestellt, und zwar auch bei denen, die sie abgelehnt haben und noch jetzt abzulehnen glauben