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Vom Standpunkt des praktischen Arztes kommt der Autor, der auch in die Tierzucht hineingeblickt hat, zur Überzeugung von der allgemeinen und dauernden Bisexualität des Menschen, einer Überzeugung, der die Psychoanalyse längst huldigt. Alle sind bisexuell und der Ausdruck „homosexuell“ ist lediglich eine Gradbezeichnung.
Der Verfasser war in jungen Jahren Hirtenbube und beobachtete Kühe, die wieder auf Kühe aufritten, und diese Kühe waren weniger milchergiebig. Es sind Beobachtungen, die jedem Bauer bekannt sind; solche Kühe sind männlicher als kastrierte Ochsen. Kampf-lustige Hennen mit Krähversuchen und starker Kammbildung sind schlechte Eierlegerinnen. Bei der männlichen Hysterie finde man merkwürdig oft Anzeichen einer weiblichen Seele, manchmal sogar somatisch-weibliche Merkmale; sie ist nach weiblicher Art eifersüchtig. „Nicht unmöglich,“ sagt Graßl, „daß die männliche Hysterie doch mit dem Geschlecht erklärt werden könnte.“ Der Autor hat sich in der Praxis auch überzeugt, daß die ärztliche Untersuchung in der Gegend des Kitzlers Geschlechtsgefühle auslösen könne, auch wo sie von der Scheide her fehlen. „Ist vielleicht diese Kitzlerwollust entsprechend der Entwicklung der Klitoris männlichen Ursprung und sind vielleicht gar die naturae frigidae mit ihrer Klitoriswollust das Gegenstück zur männlichen Homosexualität? Dann wären ja die weiblichen Homosexuellen weit in der Überzahl.“ Soweit der Autor.
Auf alle diese durch naive Beobachtung aufgeworfene Fragen kann die Psychoanalyse Antwort geben. In jeder durchgeführten Psychoanalyse erweisen sich homo- und heterosexuelle Triebregungen als wirksam, besonders in den Träumen, und waren schon in frühen Entwicklungsstadien jedes Individuums vorhanden. Das postulierte anatomische Substrat der Biologen muß also in bisexueller Anordnung da sein. Die Klitorissexualität ist tatsächlich eine männliche; homosexuell ist das Individuum aber nicht durch die Leitzone allein schon klassifiziert.
Einstweilen ist die Biologie noch zu s