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Die Fähigkeit mancher Menschen, zu jeder beliebigen Zeit zu erwachen, ist ein ebenso fesselndes, wie vorläufig unklares seelisches Vermögen. Die Annahme, unser im Schlafe fortarbeitendes, waches Unterbewußtsein sei im stande, den Zeitaublauf zu kontrollieren, ist natürlich keine Erklärung, sondern nur eine Umschreibung des Tatbestandes. Ich habe keine Kenntnis darüber, wie die Dinge bei anderen Menschen dieser Art liegen, und möchte nur einige Selbstbeobachtungen mitteilen, da mir jene Fähigkeit in hohem Maße eignet.
Die Sache liegt nicht so, daß es sich dabei etwa um schlechte Schläfer handelt, die überhaupt oft, also auch leicht zu der gewünschten Zeit erwachen. Ich bin vielmehr ein sehr guter Schläfer, der zu jeder beliebigen Zeit einzuschlafen fähig ist. Mein Schlaf ist aber nicht tief: ich erwache bei einem differenten Geräusch fast unfehlbar und bin sofort vollständig orientiert.
Zur gewohnten Zeit oder zu einer ungewohnten, aber gewünschten erwache ich zuverlässig, meist ganz automatisch. Meine Fähigkeit, rasch einzuschlafen, und meine Zuversicht, pünktlich zu erwachen, geht so weit, daß ich, wenn ich um 15, 10 ja 5 Minuten zu früh erwache, mich nochmals schlafen legen kann, sicher, im richtigen Augenblick zu erwachen.
Zuweilen aber versagt die Automatie, die Gefahr, nicht rechtzeitig zu erwachen, rückt nahe, und da stellt der Wecktraum zur rechten Zeit sich ein. Es ist das zumeist dann der Fall, wenn die natürlichen Voraussetzungen zum Verschlafen gegeben sind: große Ermüdung, zu kurze Schlafenszeit. Scheinbar wollen sich diese Träume der Freud schen Regel, Wächter des Schlafes zu sein, nicht fügen, da sie ja anscheinend den Zweck, sicher den Erfolg haben, den Schlaf zu unterbrechen. Und dennoch sind sie Wächter meines Schlafes: dank ihnen kann ich meinen Schlaf bis an die letzten zulässigen Grenzen ausdehnen.