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In der illustrierten schweizerischen Schülerzeitung „Der Kinderfreund“, im Auftrag des Schweiz. Lehrervereines von der Jugendschriftenkommission herausgegeben, 30. Jahrg. (1914), Nr. 12, steht das folgende Geschichtchen von Joh. Heinr. Pestalozzi, welches zeigt, daß dieser tiefe Geist, der wie kaum ein zweiter in die Geheimnisse der Menschennatur eingedrungen ist, direkt als Vorläufer wichtigster psychoanalytischer Erkenntnisse bezeichnet werden darf:
„Wollt Ihr mich heute nicht als Lehrling annehmen?“ — Also sagte Jakob Trüb zum Schneider Mellhorn.
Meister Mellhorn antwortete: „Jakob! Was hast du letzte Nacht geträumt?“ — „Mir hat geträumt,“ erwiderte Jakob, „ich habe in eine Lotterie gesetzt und vieles gewonnen.“
Der Meister versetzte: „Jakob, heute nehme ich dich nicht an.“
Am anderen Morgen fragte der Junge wieder das nämliche, und so fünf Tage nacheinander. Aber allemal, wenn er seinen Traum erzählt hatte, antwortete der Meister: „Ich nehme dich heute nicht an.“
Am sechsten Tage erzählte Jakob: „Heute träumte mir, ich sitze auf einem Schneiderstuhl und schwitze den ganzen Tag bei meiner Arbeit, daß mir die Tropfen von Stirn und Wange auf meine Kleider herabfallen, und am Abend, da ich endlich meine Nadel hingelegt hatte, fand ich sie ganz golden.“
„Gut!“ sagte der Meister, „das ist der Schneidertraum, wie ihn ein Junge träumen muß, ehe man ihn annimmt.“
In der gleichen Zeitschrift, Jahrg. 36 (1920), Nr. 2, findet sich nachfolgendes Gedichtchen, welches ebenfalls das Thema: „Der Traum als Wunscherfüllung“ behandelt.
Es war ein niedlich Zeiselein,Das träumte nachts im Mondenschein: