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Reichardt führt aus, daß es gegenwärtig drei Arten von Psychologie als Lehrfach gibt: 1. die von Philosophen gelehrte Psychologie; 2. die „offizielle“, vorwiegend experimentelle physiologische Psychologie und 3. die sogenannte medizinische Psychologie. Nur den Unterricht in der letztgenannten findet der Autor für den praktischen Arzt wirklich nützlich und notwendig und beruft sich ausführlich auf Bleulers grundlegende Schrift „Über die Notwendigkeit eines medizinisch-psychologischen Unterrichtes“. Er nennt es mit Erich Meyer ein Unglück, wenn beim medizinischen Studium keine Zeit bleibt für die in der Praxis so notwendige Neurosenlehre. Die oft aufgeworfenen Fragen, wann der Mediziner Psychologie hören soll, und wer sie vortragen soll, beantwortet Reichardt dahin, daß die medizinische Psychologie vom Psychopatho-logen und erst nach der psychiatrischen Klinik zu lehren sei. Die medizinische Psychologie werde wohl am besten von der psychiatrischen Klinik zu trennen, vielleicht mit der Poliklinik für Psychisch-Nervöse zu verbinden sein. — Referent glaubt, diesen guten Vorschlägen folgendes hinzufügen zu sollen: Die berührten Fragen werden für den Unterricht in der Psychoanalyse am bedeutsamsten sein, und es kann nicht mehr aufgeschoben werden, daß außer der beschreibenden Psychopathologie eine verstehende gelehrt werde. Die Psychologie des Unbewußten, des Traumes usw. ist zum Verstehen der Psychosen und Neurosen unentbehrlich! Das müssen alle Reformer des medizinischen Unterrichtes berücksichtigen.
Dr. E. Hitschmann