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Die hier entwickelte, sich den „Sinnesphysiologischen Untersuchungen“ anschließende, weder hypothesen- noch irrtumfreie Theorie gliedert sich in zwei Teile, und zwar: 1. Theorie der tonfreien (schwarzen, d. h. dunklen und weißen, d. h. hellen) Farben, 2. Theorie der bunten Farben.
Nach P. gibt es keine Schwarz-Weiß-Substanz, wie sie die Hering-sche Theorie annimmt, sondern es gibt einen mittleren Normalpunkt innerhalb des der Helligkeit entsprechenden Geschehens; die Entspannung der eingestellten Anpassung an diesen Normalpunkt bildet die Grundlage der Dunkelheits-Empfindung, die weitere Anspannung entspricht der Helligkeits-Empfindung. Infolge des Eingestelltseins verlangt eine gewisse Lichtmenge keine Anpassungs tätigkeit. Wäre die Anpassungstheorie folgerichtig, so hieße das, daß diesem mittleren Zustand keine Helligkeits-Empfindung oder eine qualitativ andersartige entspricht; entspricht ihm aber ein gewisses Grau, wie es der Fall ist, so paßt die Anpassungstheorie eigentlich nur die Feststellungen des Budapester Professors Révész über das „kritische Grau“ den eigenen Zwecken an, ohne aber alle Erfahrungen bezüglich der Schwarz-Weiß-Empfindung erklären zu können.
Die bunten Farben will P. aus der tonfreien Helligkeit entstehend wissen (die Idee stammt von Goethe). P. sagt: „Langwelliges Licht ruft Rot, Gelbrot und Gelb hervor, indem es eben durch seine Langwelligkeit, durch die Größe der Zeiträume, welche seine einzelnen Stöße auf das Sehorgan voneinander trennen, oder überhaupt durch die Langsamkeit der Folge seiner Schwingungen den Drang erweckt, Schwarz zu sehen, wir aber diesen Drang wegen der Stärke, der großen Energie dieser Stöße oder Schwingungen überwinden.“ Entsprechendes wird mit Hilfe der Begriffe
„Drang Schwarz bzw. Weiß zu sehen“, „Überwindung des Dranges“ bezüglich aller Farben ausgesagt. Wieso kann aber in der Theorie der spontanen Anpassung der Begriff eines durch äußere Ursache erzwungenen Dranges (s. Seite 70) vorkommen, wieso der Begriff eine