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Unter dem Namen „Kastrationskomplex“ kommt in der psychoanalytischen Literatur ein Gewebe unbewußter Gedanken und Strebungen vor, in deren Zentrum die Vorstellung oder Erwartung steht, der äußeren (männlichen) Gesohlechtsteile beraubt zu sein oder zu werden. Es kommt allgemein, wahrscheinlich bei allen Menschen, vor, nur die Intensität seines Eingreifens ist verschieden.
Van Ophuijsen2) will den Namen Kastrationskomplex für jene Fälle reservieren, in denen das Gefühl, am Genitale beschädigt oder mangelhaft entwickelt zu sein, mit dem Gefühle, daß dies eine Strafe für eine sexuelle Sünde bedeute, zusammengeht, und faßt die ganze Gruppe als den „Männlichkeitskomplex“ des Weibes zusammen, wovon der „Kastrationskomplex“ eine der Äußerungen sein könnte.
In den folgenden Überlegungen folge ich dieser Nomenklatur nicht; die Motive, warum ich es nicht tue, werden am Schlusse deutlich werden. Ich betrachte also als Wirkungen des „Kastrationskomplexes“ auch jene Fälle, in welchen das Schuldgefühl nicht als solches empfunden wird, sondern, auf die Umgebung projiziert, zur Verstärkung der Haßgefühle gegen die Umgebung beiträgt, und sich in einem vorherrschenden Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, mit der dazugehörigen Verbitterung äußert.
Ich tue das, weil es für meinen Zweck notwendig ist, den Nachdruck mehr auf die Übereinstimmungen als auf die Unterschiede zwischen diesen Gruppen fallen zu lassen.
Es ist deutlich, daß die Strebungen, welche zusammen den