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Wer, wie der Referent dieser Zeilen, die Semonsche Gedankenwelt für mehr hält als eine bloße „neue Terminologie“, der wird dem Herausgeber dafür Dank wissen, daß er sich der Mühe unterzogen hat, die wissenschaftliche Hinterlassenschaft des so plötzlich und tragisch verstorbenen Gelehrten der Allgemeinheit zugänglich zu machen, ebenso wie für die einleitende, pietätvoll geschriebene Biographie des hervorragenden Biologen, dessen Lehre von der Mneme, „dem erhaltenden Prinzip im Wechsel des organischen Geschehens“, eine der kühnsten und gedankenreichsten Synthesen ist, welche die neuere theoretische Biologie aufzuweisen hat.
Das großangelegte posthume Werk Semons selbst ist leider unvollendet geblieben; dasselbe war vom Verfasser als Vorarbeit zu seiner längst mit Spannung erwarteten „dritten Fortsetzung der Mneme“ gedacht, die den Titel „Pathologie der Mneme“ führen sollte. In den sechs fertig vorliegenden Kapiteln des Buches behandelt Semon zunächst die Frage nach den energetischen Korrelaten der spezifischen Eigenschaften der Empfindungen, als da sind: Ihre Qualität, ihr Lokalzeichen, ihre Intensität, ihren Gefühlston und ihre Vividität. Die allgemeine und spezielle Qualität der Sinnesempfindung wird grundsätzlich durch die Eigenart des betreffenden elementaren Sinnesapparates (Rezeptors) bestimmt. Dieser „spezifischen Energie“ der Sinnesorgane liegt eine im Laufe der Phylogenie erworbene Differenzierung zu Grunde; die Beschaffenheit des Reizes spielt dabei nur insofern eine Rolle, als die verschiedenen Sinnesorgane sich oft weitgehend auf ganz bestimmte Reizformen spezialisiert haben, so daß sie vorzugsweise nur auf diese in nennenswertem Maße reagieren (soweit es sich nicht um übermaximale „Fremdreize“ handelt). Am weitesten ist diese „spezifische Reizabstimmung“ beim Gehörsinn gediehen. Die Lokalzeichen (topogene Eigennoten) der Empfindungen werden durch die räumliche Lage des betreffenden Rezeptors bestimmt; sie gehen (beim Menschen) eigentlich nur den Geruchsemp