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Das Buch gewährt wirklich, was sein Untertitel verspricht, „Neue Einblicke in das Geschlechtsleben der Menschen und Tiere“. Langjährige Beobachtung und selbständige Erklärungsarbeit, die sich von keiner „herrschenden“ Lehre beirren läßt, bringen den Autor zu einigen umfassenden neuen Anschauungen, für die er gegen die von ihm gut studierte Fachliteratur ankämpft. Manche seiner Erklärungen teleologischer Art, wie z. B, der Grund, den er für das Auftreten des Albinos anführt, müßten durch weitere Diskussion und Arbeit erst bewiesen werden. Die meisten seiner Ausführungen leuchten auf Grund des gebrachten Materials ein.
Uns interessiert sehr vieles in diesem Buche, vor allem, wieviel Einblick in das Seelenleben der Tiere durch das Verständnis ihrer sexuellen Biologie gewonnen wird und daß die Lebensgewohnheiten viel mehr, als bis jetzt angenommen wurde, durch den Sexualtrieb bedingt werden. Dabei sind die Schilderungen sehr gelungen, mit Humor und mit einer dem Leser sich mitteilenden Freude an der lebendigen Natur geschrieben; die Sexualität wird ohne Prüderie, aber auch ohne Bölscheschen Andachtstil dargestellt. Manche Gedanken gehen der psychoanalytischen Methode parallel. So ist es ein immer wieder betonter und benutzter Grundsatz Zells, daß man Lebensgewohnheiten und Seelenleben der Haustiere nur richtig erklären kann, wenn man genau die Lebensbedingungen der wild lebenden ursprünglichen oder mindestens nächst verwandten Art studiert hat. Übrigens erklärt Zell selbst in origineller Weise Eigentümlichkeiten der Menschen aus den Lebensbedingungen und Instinkten der menschlichen Affen. Analog zeigt die Psychoanalyse, daß die Psyche des Kulturmenschen erst durch die Kenntnis des Primitiven verständlich wird; die Analogie ist nicht vollständig, weil die sogenannten primitiven Völker auch schon relativ hoch kultiviert sind.
Es ist merkwürdig, wieviel Irrtümer schon beseitigt werden durch konsequente Beachtung der Sinnesorganisation, ob es sich um Nasentiere oder Augentier