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Stier entwirft auf Grund eines großen, gut untersuchten Materials ein ausgezeichnetes klinisches Bild der Ohnmachtsanfälle bei Kindern. Als Ohnmacht gelten ihm jene Zustände, bei denen eine gewisse Reaktion auf unangenehme Sinneseindrücke und Erlebnisse, Überanstrengung, Hunger, Mattigkeit nachgewiesen werden konnte, bei denen die Anfälle selbst relativ langsam oder wenigstens nicht ganz plötzlich zur Höhe sich entwickelten, unter tiefer Blässe des Gesichtes und fast völliger oder völliger Aufhebung des Bewußtseins ohne Muskelkontraktion und Krämpfe, ohne Zungenbisse, sonstige Verletzungen oder Einnässen, und mit langsamer, nicht durch einen Zustand der Unruhe und Verwirrtheit komplizierter Erholung nach dem Anfall. Symptomatologie, auslösende Momente, Begleitsymptome, körperliche und psychische Besonderheiten der Erkrankten werden geschildert. Als pathogenetisch wichtig wird die vasoneurotische Konstitution angesehen. Psychisch wird eine Herabsetzung der Reizschwelle auf emotivem Gebiete angenommen, die zum Teil als Folge dieser vasoneurotischen Konstitution angesehen wird. Als Hauptursache für das Auftreten der Ohnmacht sieht der Verfasser das Ausbleiben der reaktiven Dilatation der Hirngefäße an. Doch nimmt er an, daß psychische Einflüsse wesentlich mitwirken. Er spricht von einem Nachlassen der Willensspannung. Dem Wunsch-faktor mißt er keine Bedeutung bei. Nach Ansicht des Referenten würde es allerdings noch eingehenderer individual-psychologischer Untersuchungen bedürfen, um einen kleinen Einblick in die Motive dieses Nachlassens der Willensspannung zu erhalten. Die Differentialdiagnose dieser Ohnmachten gegen Hysterie und Epilepsie wird auf Grund von Beobachtungen eingehend erörtert.
Schilder, Wien