You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Er war die Zierde, der Stolz und die Liebe der welsch-schweizerischen Geisteskultur. Wer die hohen Vorzüge des genferischen Denkens in ein Wort zusammenfassen wollte, brauchte nur den Namen Flournoys zu nennen. In ihm lagen ausgedrückt der feine, faszinierende Esprit, das umschaffende Wissen, die wundervolle Klarheit, die das Schwere leicht macht, die vollendete Form, die Sehnsucht nach der Tiefendimension, die Ehrfurcht vor den Tatsachen, auch wenn sie den Rahmen mitgebrachter Theorien rücksichtslos sprengen, und alles war durchstrahlt von einem tiefernsten Ethos und einer verklärenden religiösen Liebe. In Theodor Flournoy verbündete sich der sittliche Ernst eines Calvin mit der logischen Schärfe eines Secrétan und der zarten Frömmigkeit eines Vinet.
Sprach man mit Genfer, Lausanner, Neuchâteler Gelehrten über irgendeinen Gegenstand der Geisteswissenschaften, so dauerte es nie lange, bis der Name Flournoys auftauchte. Waren es Stoffe der Psychologie, oder der Religion, oder der Philosophie, immer berief man sich auf ihn. Mir wax es ein Rätsel, wie ein Mensch eine derartige Großmacht darstellen konnte, und zwar eine wissenschaftliche und moralische Großmacht. Aber als ich ihn nach jahrelangem Briefwechsel persönlich kennen lernte, stund ich nach wenig Minuten ganz ebenso unter dem Banne dieser machtvollen Persönlichkeit. War es das immense Wissen, war es die rührende Demut und Bescheidenheit des großen Mannes, war es die hinreißende Güte, die Duldsamkeit gegen fremde Ansichten, der Mut in der Erfassung neuer Stoffe und Methoden, die Kunst der Einführung in andere Denkweisen, was diesen Zauber ausübte? Im Grunde war es doch wohl am meisten die Liebe zum Großen und