You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Wissenschaft hat bislang das biologische Phänomen des Schlafes wohl deskriptiv behandeln, als dynamischen Vorgang aber in befriedigender Weise nicht erklären können. Unsere gesicherten Kenntnisse über den Schlaf sind dürftig genug. Wir haben ihn als eine Grunderscheinung in der organischen Welt erkannt, die, der Atmung und Nahrungsaufnahme vergleichbar, an der periodischen Erneuerung des Einzelwesens mitbeteiligt ist. Worin jedoch diese Erneuerung besteht, wissen wir nicht; zumindest nicht mit jener Genauigkeit, wie wir die Atmungs- und Verdauungsvorgänge kennen. Auch die eigenartige Verknüpfung des Schlafzustandes mit gewissen psychischen Erscheinungen hat sein Verständnis erschwert und eine experimentelle Untersuchung, der wir zunächst die meisten tatsächlichen Erfahrungen verdanken, problematisch gemacht. So hat sich denn, wie wir sagen müssen mit vielem Recht, die Anschauung unter den Biologen gebildet, daß dem Schlaf eine generelle Bedeutung fast wie dem Inbegriff „Leben“ zukomme, weshalb sein Problem die Physiologie nicht unmittelbar angehe; wo es aber dennoch zur Sprache gebracht werden muß, geschieht es nicht ohne gewisse Anzeichen eines deutlichen Mißbehagens. Alles in allem zeigt sich in den Standpunkten gegenüber dem Schlafproblem eine verdeckte oder uneingestandene Ratlosigkeit.
Die psychoanalytische Forschung ist dieser Frage durchaus nicht aus dem Wege gegangen, was sie jedoch hierüber zu sagen für nötig gefunden hat, darf mit ihren sonstigen Ergebnissen nicht ohne weiteres auf eine Linie gestellt werden. In einer Arbeit, die mehr theoretisch-konstruktiv vorgeht, als an unmittelbarem Tatsachenmaterial Klarheit schafft, hat Ferenczi1 den Schlaf des neugeborenen Kindes als den halluzinatorischen Versuch einer