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Ein junges Mädchen leidet an einer schleichend verlaufenden Hebephrenic. Sie ist mißtrauisch und ablehnend, zeigt mancherlei Ansätze zur Wahnbildung, hat aber bisher keine festen Wahnideen produziert. Ihr besonderes Mißtrauen richtet sich darauf, daß andere sie betrügen oder bestehlen könnten.
Eines Tages berichtet die Patientin mir in großer Aufregung, ihr seien 50 Mark aus einem Koffer in ihiem Zimmer abhanden gekommen; sie will von keiner anderen Erklärung wissen, als daß Hausgenossen in ihrer Pension sie beraubt hätten. Bei sorgfältiger Durchsicht unter Assistenz einer anderen Person findet die Patientin das Geld wieder; sie selbst hatte die Fünfzigmarknote in einer Weise untergebracht, daß sie leicht übersehen werden konnte. Sie hatte sie nämlich in ein gefaltetes Blatt ihres Briefpapiers und dieses Papier zu den unbenutzten Bogen gelegt.
Kurze Zeit darauf erneute Aufregung. Die Patientin vermißt 150 Mark; sie will alles sorgfältig durchsucht haben, aber ohne Erfolg. Am nächsten Tage ergibt sich, daß sie das Geld, welches sie vermißte, tatsächlich gar nicht mehr besaß, weil sie es verausgabt hatte.
Bemerkenswert ist nun der Anlaß, der zu den beiden Fehlhandlungen geführt hat. Die Patientin gesteht, ein sogenanntes Traumbuch zu besitzen, aus welchem sie sich über die Vorbedeutung ihrer Träume Rat holt. Eines Morgens erwachte sie aus einem Traum, in welchem sie eine Uhr an einer goldenen Halskette trug. Das Traumbuch gab als Bedeutung dieses Traumes an: „Du wirst bestohlen!“ Wir verstehen, wie stark diese Prophezeiung den unbewußten Wünschen der Patientin entgegenkam. Am nächsten Tage geschah es, daß sie die Fünfzigmarknote vermißte. Sie hatte also durch die geschilderte Art der Aufbewahrung den Anschein, daß das Geld gestohlen sei, unbewußt arrangiert.
Als sie damals vom Verlust des Geldes sprach, hatte sie mir eingehend erklärt, daß sie das Geld unmöglich verausgabt haben könne, und hatte mit peinlicher Genauigkeit alle Ausgaben der vorausgegangenen Zeit aufgezählt