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Meine Damen und Herren! Betrachten Sie es nicht als Unbescheidenheit, wenn ich an Ihre Wissenschaft neu Heran-getretener über prinzipielle Fragen sprechen werde. Ich bin mir dessen wohl bewußt, daß ich Gefahr laufe, vieles als neu vorzubringen, was Ihnen als Geübten für selbstverständlich gilt. Wenn ich es doch wage, so gibt mir die alte Erfahrung den Mut dazu, daß oft Neulinge in einer Wissenschaft gerade deshalb etwas Wahres und Richtiges erfassen, weil sie durch vieles, was dem Geübten selbstverständlich erscheint, zum weiteren Nachdenken und zu neuen Erklärungsversuchen angetrieben werden.
Die psychoanalytische Betrachtungsweise der seelischen Vorgänge verliert nie die biologische Perspektive. Fern davon, die rein psychologische Kausalität jemals aufgeben zu wollen, müssen wir doch immer vor Augen haben, daß es sich bei den seelischen Vorgängen doch nur um Funktionen einer biologischen Maschine handelt. In seinen metapsychologischen Betrachtungen verwendet Freud neben dem topischen und dynamischen den ökonomischen Gesichtspunkt und meint, daß erst durch diesen letzteren die Erklärungsversuche vollständig werden. In letzter Analyse ist die wissenschaftliche Kenntnis des biologischen Organismus der Kenntnis der Funktionen und des Zusammenarbeitens seiner Einrichtungen gleichbedeutend, kurz: wir kennen die Maschine, wenn wir wissen, wozu die einzelnen Teile und Funktionen dienen und wie sie ihre Zwecke erfüllen. Doch ohne die theoretische Richtigkeit des teleologischen Gesichtspunktes hier verteidigen zu wollen, können wir feststellen, daß dieser sich in der Biologie als besonders fruchtbar erwiesen hat. Der Organismus und seine Funktionen erscheinen einmal als zweckmäßig und um die Funktionen zu verstehen, müssen wir nach ihrem Zweck fragen. Wenn wir im