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Es ist immer ungerecht, ein Buch nur von einem Gesichtspunkt aus zu betrachten. Das Buch von Larguier des Bancels über den Trieb und das Gefühl ist durch seine Gelehrsamkeit, seine Klarheit und seine historischen Betrachtungen sehr bemerkenswert. Es ist umso wertvoller, als Bücher zur Einführung in die Psychologie in französischer Sprache selten und schlecht sind. Der Autor, der sich von vornherein auf den Boden der physiologischen Psychologie stellt, bleibt auf wissenschaftlichem Terrain, aber er erkennt nichtsdestoweniger die Wahrheiten an, die in einer mehr philosophischen Sprache von den großen Geistern des XVII. und XVIII. Jahrhunderts ausgesprochen worden sind. Wenn wir nun den Vorteil, den L. von der Analyse beim Studium der Trieb- und Gefühlsvorgänge zu gewinnen gewußt hat, in Betracht ziehen, müssen wir ihn als gering bezeichnen. Der Autor scheint von Freud nur die „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ zu kennen, aber er kennt die wichtigen Arbeiten nicht, die der Wiener Forscher später dem Trieb und dem Unbewußten gewidmet hat. Dies ist umso bedauerlicher, als der Autor kein Vorurteil gegen die Analyse zu haben scheint. Die Haltung, die er Fragen wie der infantilen Sexualität, dem Ödipuskomplex und dem Ursprung der Angst gegenüber einnimmt, zeugt davon. Der Autor, der die Analyse nur von französischen Büchern kennt, behält den Irrtum bei, daß Freud alle Triebe vom Sexualtrieb ableiten läßt.
Dr. Raymond de Saussure, Genf.