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Delgado bespricht in dieser Schrift die Bedeutung der Libidoentwicklung und ihrer verschiedenen Stadien für die Charakterbildung. Seine Darstellung hält sich im allgemeinen an die psychoanalytischen Anschauungen, leidet aber darunter, daß Verfasser Ideengänge von Adler und Jung mit ihnen verwebt, als ob zwischen letzteren Autoren und der Psychoanalyse voller Einklang bestände. Allerdings muß man in Betracht ziehen, wie schwer
es ist, von einem so entfernten Lande wie Peru die psychoanalytische Bewegung in allen ihren Schicksalen zu verfolgen und richtig zu beurteilen. Die nordamerikanische Literatur, die naturgemäß in den südamerikanischen Ländern viel Beachtung findet, trägt viel zur Schaffung solcher Unklarheiten bei.
Interessant ist D.'s Versuch, die Vorstellungen der Allmacht beim Kinde vom intrauterinen Zustand herzuleiten. Er nimmt an, die Wunschlosigkeit dieses Zustandes, das Freisein von allen Leistungen im Sinne der Anpassung seien das Vorbild aller späteren Allmachtsphantasien. Verfasser führt den Namen „Authedonismus“ für diesen Zustand ein. Nach der Geburt ist der kindliche Organismus zu den ersten Anpassungsleistungen genötigt. Seine Organe vollbringen diese Leistung (Atmung, Ernährung, Sinnesfunktionen und so weiter). Mit jeder solchen Funktion ist aber Lust verbunden; man kann daher von einem zweiten Stadium des „Organhedonismus“ sprechen. Es folgt das dritte des „Socihedonismus“, welches dadurch eingeleitet wird, daß das Individuum nach der Liebe der anderen verlangt. Hier fehlt es in Delgados Aufstellung an einer genügenden Differenzierung. Er schildert im Obigen nur den Narzißmus, und auch diesen nur einseitig, wird aber den Phänomenen der Übertragung nicht gerecht. Trotzdem erscheint die Schrift der Beachtung wert, namentlich in Hinblick auf die vortreffliche Charakteristik der frühen Entwicklungsphasen.