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Vor kurzem traf aus Petersburg die traurige Nachricht vom Tode einer der angesehensten Psychoanalytikerinnen in Rußland, unserer Kollegin der Frau Dr. T. Rosenthal, ein.
Jung, sie war 36 Jahre alt, begabt, tatkräftig und erfolgreich in ihrem Berufe, Mutter eines zärtlich geliebten und begabten Kindes, hat sie sich selbst das Leben genommen, war Schicksal und Opfer ihres eigenen Willens und ihrer eigenen Kraft.
Welche großen Seelen- und Herzenskämpfe, welche inneren Konflikte mögen es gewesen sein!
Sie war ein sehr komplizierter Mensch und bei unzweifelhafter großer Begabung und äußerer Tatkraft, voll tiefer, inneren Unzufriedenheit. Hinter einem kühlen Äußern, einer sicheren Manier in ihrem ganzen Auftreten, einem scharfen Verstande und Klarheit des Denkens, verbarg sich eine stete innere Unruhe, eine weiche, romantisch-mystische Seele. Ein kleines Bändchen Gedichte, die im Jahre 1917 in Petersburg erschienen, äußern am besten diese Stimmungen.
Ihr Studium begann sie als Siebzehnjährige mit einem hinreißenden Willen nach Vervollkommnung; schwärmte damals für die Ideen der Volksbeglückung, schloß sich der sozialdemokratischen Partei an, unterbrach mehrmals ihr Studium, um an der revolutionären Bewegung in Rußland teilzunehmen. Sie betätigte sich in der Arbeiterbewegung der jüdischen sozialdemokratischen Partei, und während der ersten Revolution im Jahre 1905 war sie Vorsitzende der Studentinnenverbände aller Frauenhochschulen in Petersburg. Sie zeigte sich dabei als eine temperamentvolle und begabte Rednerin. Im Jahre 1906 kehrte sie nach Zürich zurück, müde, in einer etwas zerrütteten geistigen Verfassung, schwankte zwischen Medizin und Jurisprudenz, glaubte, daß letzterer Beruf mehr ihrer sozialen Betätigung entsprechen würde. Zufällig, wie sie mir erzählte, bekam sie Freuds Traumdeutung zu lesen, war ganz begeistert, sprach von neuen Horizonten in der Psychologie, von dem Wege der Selbsterkenntnis, den Freud zeige: „Welch eine Harmonie