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In den ersten Tagen des Monats März 1917, gerade als in Rußland die Revolution ausbrach und die Mehrzahl der intelligenten Russen noch lange nicht die folgenschweren Ereignisse der „Revolution während des Krieges“ ahnte, starb in Moskau an Nierenleiden einer der konsequetensten und ehrlichsten Anhänger des Liberalismus Prof Dr. W. P. Serbsky, Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik. Prof. Serbsky hat sehr viel für die
praktische sowohl als theoretische Psychiatrie seines Vaterlandes geleistet. Unter anderem haben sein ehrliches treues Wesen und edler Charakter sehr viel dazu beigetragen, daß die Seelenärzte sowohl im Publikum als auch als Sachverständige beim Gericht hohe Achtung genaßen. Hier sei nur in einigen Worten seines Verhaltens gegen die Psychoanalyse gedacht.
Als ich, damals Oberarzt an der Klinik von Prof. Serbsky, mit meinem ersten Referate über die Freudsche Lehre in der Sitzung der klinischen Ärzte auftrat, habe ich den wohlwollendsten Empfang seitens des Prof. Serbsky gefunden. Das Referat war im Sinne der ersten Arbeiten Freuds ohne genügende Berücksichtigung der „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ gefaßt. Als meine wie auch meiner Kollegen Referate Schritt für Schritt mit den Freudschen Lehren immer mehr der sexuellen Ätiologie der Neurosen die bestimmende Bedeutung zuschrieben, wurden von Prof. Serbsky in Privatunterhaltungen sowie in Sitzungen Einwände geäußert. Besonders war Serbsky nicht damit einverstanden, daß sogar der Säugling sexuelle Regungen aufweist. Mit dem Vorwiegen der sexuellen Störungen in der Ätiologie der Neurosen war Serbsky einverstanden, dem Gebrauche aber des Wortes „sexuell“ im weiten Sinne konnte er nicht zustimmen und meinte, daß Freud allzusehr die ganze Welt sexualisiere. Dieser letzte Gedanke gab sich in häufigem Versprechen kund. Nämlich, Serbsky, der sonst sehr gut Fremdwörter aussprach, sprach den Familiennamen „Freud“ oft so aus: Fre—úd, also getrennt mit dem Akzent auf úd. Das russische Wort „Ud“ bezeichn