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Die psychologischen Erscheinungen, welche wir dem sogenannten Kastrationskomplex des weiblichen Geschlechts zurechnen, sind so zahlreich und vielgestaltig, daß selbst eine ausführliche Darstellung ihnen nicht in erschöpfender Weise gerecht werden kann. Mannigfache Beziehungen zu biologischen und physiologischen Vorgängen tragen dazu bei, die hier in Rede stehenden Fragen noch komplizierter zu gestalten. Die nachfolgende Untersuchung erhebt daher keineswegs den Anspruch, das Problem des weiblichen Kastrationskomplexes in allseitiger Beleuchtung darzustellen, sondern beschränkt sich auf die rein psychologische Auswertung eines umfangreichen klinischen Beobachtungsmaterials.
Viele weibliche Personen, die im kindlichen oder im reifen Alter stehen, leiden zeitweise oder dauernd unter der Tatsache, daß sie weiblich geboren sind. Die Psychoanalyse läßt uns außerdem erkennen, daß eine große Zahl weiblicher Personen den Wunsch, männlich zu sein, verdrängt hat; wir begegnen ihm in allen jenen Produkten, die dem Unbewußten entstammen, besonders also in Träumen und in den neurotischen Symptomen. Die außerordentliche Häufigkeit solcher Beobachtungen legt uns die Auffassung nahe, daß hier eine allgemeine, sämtlichen weiblichen Wesen zukommende Wunschrichtung vorliege. Neigen wir uns dieser Ansicht zu, so ergibt sich daraus die besondere Verpflichtung zu gründlicher und vorurteilsfreier Prüfung der Tatsachen, denen wir eine so allgemeine Bedeutung beimessen.
Daß mancherlei Erscheinungen des weiblichen Seelenlebens aus der Abneigung gegen das Weibsein hervorgehen, ist, wie erwähnt, den betreffenden Personen oft völlig bewußt. Aber bereits