You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Patient K. der wegen sexueller Impotenz bei mir in Behandlung steht, empfindet heftige Liebe für ein Mädchen, das diese Liebe allen Anzeichen nach auch erwidert. Gerade diese Liebe war es, die den Patienten in die Psychoanalyse gebracht hatte, da er das Mädchen zu heiraten gedachte. Als er jedoch nach einigen Wochen Analyse sich dem Mädchen erklärt hatte, erhielt er eine unerwartete, aber entschiedene Zurückweisung. Den nachher anbrechenden Zustand will ich hier in seihen Hauptzügen schildern, so wie er sich mir in den unmittelbar folgenden Analysestunden präsentierte.
Patient wurde gänzlich arbeitsunfähig, da er das nötige Interesse gar nicht aufbringen konnte, obwohl er sich bemüht hatte, aufmerksam zu sein; er konnte sich nichts merken, auch wenn er die Empfindung hatte, zugehört zu haben. Seine Schwester, sein Vorgesetzter interessieren sich für seinen Zustand, er aber kümmert sich nicht um sie, erinnert sich auch gar nicht oder sehr unvollkommen, was sie zu ihm gesprochen haben, obwohl es in der Analyse sich herausstellte, daß die tröstenden Worte der Schwester vorbewußt, teilweise doch kapiert und aufgearbeitet wurden. Nach dem Bruche bis zum anderen Tage hatte er keine Körpergefühle, abgesehen von einem schweren allgemeinen Unlustgefühl. Erst in der zweiten Analysestunde empfindet er, daß der eine Schuh ihn drücke. Gegen den ersten Abend beschäftigt er sich ganz ernstlich mit Selbstmordgedanken, er malt sich Szenen aus, wie er es anstellen, wie er durch den Schuß die Schädeldecke verlieren würde usw. Früher noch beschäftigt er sich mit dem Gedanken, daß er der treulosen Geliebten einen verletzenden und vernichtend höhnischen Brief schreiben werde. Er hat keinen Appetit, nimmt nichts zu sich, außer etwas Flüssigkeit am Abend. „Trotzdem“ — sagt er — „habe ich in den Gedärmen furchtbare Unruhe und Darmgaskrämpfe gehabt.“ Dabei absolute Schlaflosigkeit.
Die Analyse hat aufgedeckt, daß bei ihm zwei entgegengesetzte Mechanismen der Libido nacheinander, teilweise auch